23.03.2020

Wer hat bei den INZ den Hut auf?

Berlin – Um die Reform der Notfallversorgung wird weiter gerungen. Insbesondere die Integrierten Notfallzentren (INZ) sorgen für Kontroversen. Bei einer Veranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) geht es unter anderem um die Frage: Wie viele INZ-Standorte kann man sich eigentlich leisten?

Wer hat bei den INZ den Hut auf?Prof. André Gries von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) betont: „Die INZ dürfen nicht unter der Leitung der Kassenärztlichen Vereinigung stehen.“ Doch genau das ist im Gesetzesentwurf vorgesehen. Vorstellbar sei aus Sicht des Notfallmediziners vielmehr eine organisatorische Leitung der Kassenärztlichen Vereinigungen. KBV-Vorstandsvize Dr. Stephan Hofmeister will dem Eindruck entgegentreten, die KBV wolle Einfluss auf die Notfallversorgung in den Krankenhäusern nehmen. Er stellt klar: „Klinische Notfälle werden weiterhin in den zentralen Notaufnahmen und Schockräumen unter Regie der Krankenhausärzte versorgt.“

Unklar ist bislang, welche Qualifikationen die in den INZ tätigen niedergelassenen Ärzte künftig vorweisen müssen. Und auch bei der Anzahl und Verteilung der INZ gibt es Kontroversen. Hofmeister zufolge stellt sich derzeit die Frage: „Wie viele INZ-Standorte können wir uns in Deutschland leisten? Und mit welchem Leistungsangebot?“ Für Berlin etwa brauche es sicher keine 20 INZ. Er verweist zudem darauf, dass es bereits regionale INZ-ähnliche Modelle wie die Portalpraxen gebe. Ein Bestandsschutz für diese Lösungen fehle jedoch im Gesetz. Gries warnt davor, die notwendige Zahl der Zentren zu unterschätzen: „Patienten benötigen oft die Krankenhausressourcen, damit der Arzt entscheiden kann, ob sie ambulant weiterbehandelt werden können oder nicht.“
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