17.12.2012

Strahlentherapie: Patienten leiden unter Angst und Depressivität

Berlin – Mehr als ein Drittel der Patienten, die eine Strahlentherapie antreten, leidet zusätzlich unter Angst und Depressivität. Beide Symptome sind zu Beginn der Behandlung stark ausgeprägt, bessern sich jedoch im Verlauf der Strahlentherapie deutlich. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Regensburg hin.

Entscheidend für die positive Angstbewältigung und den Umgang mit Trauer, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit sei laut DEGRO eine ausführliche Aufklärung und Betreuung durch den Arzt. Noch immer gehöre das Thema Krebs in der Gesellschaft zu den Tabuthemen. „Da selten offen darüber gesprochen wird, fühlen sich Tumorpatienten häufig isoliert“, sagt Prof. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. „Das verstärkt die Ängste und macht es noch schwerer, die Krankheit angemessen zu verarbeiten.“
Forscher um Prof. Oliver Kölbl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Regensburg und Leitlinien-Beauftragter der DEGRO, haben mithilfe eines standardisierten Fragebogens an 60 Krebspatienten Angst und Depressivität untersucht. 95 Prozent von ihnen erhielten erstmalig eine Strahlentherapie. Zu drei Zeitpunkten – zu Beginn, zum Ende und sechs Wochen nach Abschluss der Bestrahlung – beantworteten die Probanden den Fragebogen. Zu Beginn der Therapie zeigten 41 Prozent der Patienten auffällige oder grenzwertige Symptome von Angst und 33 Prozent von Depressivität. Kölbl: „Sowohl Angst als auch Depressivität nehmen im Verlauf der Bestrahlung deutlich ab.“ Die meisten Tumorpatienten wüssten anfangs wenig über die Strahlentherapie, und das verunsichere sie. Je aufgeklärter die Patienten seien, desto schneller könnten sie die Furcht vor den Apparaten verlieren. Kölbl rät daher allen Tumorpatienten, sich vom behandelnden Arzt über die Therapiemethoden und -abläufe ausführlich aufklären zu lassen. Es sei zudem Aufgabe der Mediziner, ihren Patienten bei der Angstbewältigung zu helfen. „Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, mit Fragebögen die psychische Situation von Krebspatienten abzubilden“, erklärt Kölbl. So könnten ängstliche oder depressive Personen früh bemerkt und entsprechend unterstützt werden. Wenn trotz der Beratung die psychische Belastung weiterhin sehr hoch sei, sollten Patienten professionelle Hilfe erhalten, zum Beispiel durch einen Psychoonkologen. Helfen könnten auch Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen.
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