16.10.2020

Schreyögg: Vergütung an Qualität knüpfen

Hamburg – Nur wenige Schritte sind notwendig, um mehr Fairness und weniger Fehlanreize in die deutsche Krankenhauslandschaft zu bringen. Dieser Auffassung ist Gesundheitsökonom Prof. Jonas Schreyögg. Vorschläge dazu liefert er in einem aktuellen Gutachten zur bedarfsgerechten Gestaltung der Krankenhausvergütung, das er mit Ricarda Milstein (beide Universität Hamburg) im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) verfasst hat.

„Eine Finanzierung von Vorhaltekosten für Strukturen der Leistungserbringung, beispielsweise für seltene Erkrankungen, Notfälle und die Grundversorgung auf dem Land, reduziert den finanziellen Druck von Krankenhäusern, ihre Strukturen über eine Fallzahlausweitung querfinanzieren zu müssen“, lautet ein Vorschlag der Autoren. Und eine Anpassung der Vergütung an exogene Kostenfaktoren, die nicht der Kontrolle des Krankenhauses unterliegen, sowie an Versorgungsstufen, die unterschiedliche Kostenstrukturen mit sich bringen, erhöhe die Fairness des Vergütungssystems. Außerdem entlaste es Krankenhäuser finanziell, die für ihre ungünstigen Kostenstrukturen nicht verantwortlich seien. Denkbar sei auch der Ausbau von Qualitätsindikatoren, an denen die Vergütung geknüpft wird.
Schreyögg und Milstein zeigen auch den Weg einer Mischfinanzierung auf, der bereits mit der Ausgliederung der Pflegekosten aus den DRGs eingeschlagen wurde. So „könnte Deutschland einen Anteil der Vergütung über Pauschalen finanzieren, die an bedarfsnotwendige Strukturen, beispielsweise Stroke Units und Geburtsstationen, geknüpft sind.“ Im Zuge einer fortschreitenden sektorenübergreifenden Versorgung sei eine Gesamtvergütung (Bundled Payments) möglich.
Aus dem Gutachten schließt der stellvertretende TK-Vorsitzende Thomas Ballast, dass die bestehenden Mengenanreize abgebaut und die Qualität der Leistungserbringung als weiterer Baustein im Vergütungssystem abgebildet werden müssten. „Dazu sollten wir zunächst analysieren, welche Kliniken wir mit welchem Behandlungsangebot benötigen. Und diese Kliniken brauchen für ihre auch Vorhaltekosten genannten Fixkosten ein festes Budget, auf das sie sich sicher verlassen können.“
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