24.07.2015

Rehabilitation darf nicht vom Alter abhängen

Berlin (pag) – Rehabilitation lohnt sich auch für Hochbetagte. Das hat der Altersforscher und Diplom-Psychologe Prof. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, betont. Er warnt davor, Senioren zu benachteiligen.

Rehabilitation darf nicht vom Alter abhängenDas Alter eines Menschen sei nicht als argumentatives Instrument geeignet, um ihm therapeutische, rehabilitative oder pflegerische Leistungen vorzuenthalten, erklärt Kruse anlässlich des 7. Präventionskongresses von Bundesgesundheitsministerium und Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (bvgp). Er betont, das Lebensalter sei „keine statistisch signifikante Größe im Hinblick auf den Rehabilitationserfolg“. Stattdessen gebe es andere Aspekte zur Vorhersage wie das Ausmaß an körperlicher und kognitiver Aktivität im Lebensverlauf. Die meisten Faktoren ließen sich durch gesellschaftliche oder individuelle Strategien beeinflussen. „Wir tragen durch Gesundheitsförderung und Prävention im gesamten Lebenslauf dazu bei, dass wir Rehabilitationspotenziale entwickeln, auf deren Grundlage bei einer schweren chronischen Erkrankung Pflegebedürftigkeit vermieden werden kann“, sagt Kruse.
Wissenschaftlich sei belegt, dass es sich auch in hohem Alter lohne, Menschen körperlich und geistig zu mobilisieren und ein Kohärenzgefühl zu erzeugen. Beispielsweise scheine die Zunahme der vaskulären Demenz in den vergangenen Jahren gestoppt worden zu sein. Möglich wird das Kruse zufolge durch eine rechtzeitige Kontrolle der Lebensstile. Als zentrale Strategie macht er Bewegung – auch Sport für Hochbetagte – und kognitive Programme aus. In der Palliativmedizin rät der Gerontologe dazu, Reha regelhaft einzubinden.
Zuvor hatten Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und bvgp-Präsidentin Helga Kühn-Mengel, betont, wie wichtig Rehabilitation in der Gesundheitsförderung ist. „Gerade mit Blick auf die wachsende Zahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft bekommt der Dreiklang ‚Prävention vor Rehabilitation vor Pflege’ eine besondere Bedeutung“, betont Gröhe. Das sei in den Köpfen aber bislang nicht angekommen. Er weist auf ein Missverhältnis zwischen den ausgesprochenen Reha-Empfehlungen und der Zahl der Pflegebegutachtungen hin. Von rund einer Million Begutachtungen seien lediglich 5.300 Menschen in die Rehabilitation gekommen. Da sei „gewaltig Luft nach oben“. Prävention könne Pflegebedürftigkeit hinauszögern oder vermeiden, betont Kühn-Mengel. Maßnahmen, die auf die Erhaltung körperlicher und geistiger Aktivität und Mobilität im Alter abzielten, komme künftig eine grundlegende Bedeutung zu.
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