24.07.2015

Optimale Chemotherapie für Krebspatienten schnell ermitteln

Potsdam (pag) – Wissenschaftler des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) haben eine Methode entwickelt, mit der in Minutenschnelle die für einen Krebspatienten optimale Chemotherapie ermittelt werden kann. Ihre Lösung haben sie auf der HPI-Tagung zum Thema „Big Data in der Medizin“ Anfang Juli in Potsdam vorgestellt.

Bisher dauerte es oft Wochen, bis Onkologen den weltweit wachsenden Bestand an Daten zu Untersuchungs- und Test-Ergebnissen bei Chemotherapien ausgewertet hatten. Das Institut hat nun eine Höchstgeschwindigkeits-Datenbank entwickelt, das es zusammen mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin einsetzt. Dadurch könnten Ärzte zum Beispiel das Ansprechen von Tumoren auf bestimmte Medikamente besser vorhersagen und die Wirkstoffmengen reduzieren. „Krebsforscher versetzen wir außerdem in die Lage, Zusammenhänge zwischen Varianten in den Erbanlagen von Patienten und der Wirkung von Medikamenten bei diesen zu ermitteln“, erläutert HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel auf dem Symposium. Ihm zufolge können Annahmen erstmals innerhalb von Minuten überprüft und Indikatoren für die Auswahl von bestimmten Kombinations-Therapien abgeleitet werden.
„Wir kombinieren Daten historischer Fälle, um bei der Auswahl der passenden Behandlung für akute Patienten zu unterstützen“, sagt HPI-Wissenschaftler Dr. Matthieu-P. Schapranow. Die Informationen über Patienten, Tumore und Medikamentenwirkungen würden mit neusten medizinischem Wissen aus aller Welt verknüpft. „Ein mathematisches Modell bewertet die Daten verschiedener Patienten und ermöglicht so eine Prognose der individuellen Ansprache eines einzelnen Patienten auf ein spezifisches Medikament in Echtzeit“, unterstreicht Schapranow. Er verweist auf Untersuchungen amerikanischer Forscher aus dem Jahr 2012, nach denen drei von vier Chemotherapien nicht den gewünschten Erfolg erzielten.
An dem Potsdamer Symposium zur Nutzung riesiger Datenmengen in der Medizin haben am 1. und 2. Juli mehr als 80 Forscher und Industrievertreter teilgenommen. Sie haben internationale Ansätze in der biomedizinischen Grundlagenforschung, der individualisierten Medizin und der klinischen Praxis erörtert und Lösungsansätze für Probleme der Handhabung, Interpretation und Verwendung riesiger Datenmengen diskutiert.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter