23.11.2017

Können junge Ärzte nur noch operieren?

Berlin – „Wer nur operieren lernt, wird auch nur operieren.“ So lautet die Befürchtung der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie im Vorwort ihres kürzlich veröffentlichten ersten Weißbuchs. Herausgeber sind die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU).

Die beiden Verbände schlagen im Buch die Errichtung von Ausbildungskliniken mit konservativen Schwerpunkten und Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken und Praxen vor, um den medizinischen Nachwuchs gezielter auszubilden. „Wir können und wollen nicht hinnehmen, dass immer mehr junge Kolleginnen und Kollegen nicht mehr in der Lage sind, einen Patienten richtig zu untersuchen, Frakturen konservativ zu behandeln oder die Orthopädietechnik optimal zu nutzen“, heißt es im Weißbuch. Wenn es so weiterginge, würden andere Fächer diese Kompetenzen besetzen. „Durch nicht-operative Behandlungsmethoden können wir in vielen Fällen erfolgreich und risikoarm Schmerzen lindern, Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern oder das Fortschreiten von Erkrankungen bremsen“, sagt Dr. Matthias Psczolla, einer der Autoren des Weißbuchs. Doch mit Blick auf die Alterung der Gesellschaft befürchten die Experten Versorgungsengpässe, falls die konservative Therapie nicht aufgewertet wird.
Dazu reiche es allerdings nicht aus, den jungen Medizinern die Bedeutung der konservativen Therapie wieder nahe zu bringen, sondern auch eine bessere Vergütung sei nötig. „Derzeit besteht ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen der Vergütung operativer und konservativer Leistungen“, stellen die Autoren im Weißbuch fest. Das liege daran, dass vornehmlich operative Behandlungen honoriert würden – „das führt zu einem Teufelskreis“, konstatieren die Experten. Dies sei der Grund, warum konservative Inhalte nicht mehr in ausreichendem Maße vermittelt werden. Zudem müssten die nicht-operativen Verfahren nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin weiterentwickelt werden, fordern die beiden Verbände.
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