18.11.2020

KBV: Keine Entlastung durch Digitalisierung

Berlin – Entbürokratisierung durch Digitalisierung? „Das ist bisher nicht eingetreten", sagt Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), bei der Vorstellung des Bürokratieindex (BIX) 2020 für die vertragsärztliche Versorgung. Noch bedeute der digitale Fortschritt für die Niedergelassenen mehr Arbeit. BIX-Autor Prof. Volker Wittberg (Fachhochschule des Mittelstands, FHM) nennt das „the irony of automation“ – die Ironie der Automatisierung.

KBV: Keine Entlastung durch DigitalisierungUm eine bürokratische digitale Last von den Hacken zu haben, fordert die KBV die Verschiebung des Starts der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) von Januar auf Oktober 2021. Derzeit stünden Kriedel und Co. in Verhandlungen mit dem Bundesgesundheitsministerium. Dieses wolle den Ärzten, die die technischen Voraussetzungen nicht erfüllen können, bis zum dritten Quartal Aufschub gewähren, teilt Kriedel mit. Die KBV wolle aber, dass diese Übergangsregelung ohne Einschränkungen gilt.
Doch die eAU ist nicht das einzige Problem der Vertragsärzte. Gerade während der Coronapandemie mache ihnen die Bürokratie zu schaffen. „Nach Ende der Sprechstunde um 19 oder 20 Uhr wende ich jeden Tag noch drei Stunden auf, um für die Abrechnung und die Vermeidung von Regressen alles richtig zu dokumentieren“, wird im BIX 2020 eine Hausärztin zitiert. Diesen hat die FHM zwar für das Vorjahr ermittelt, die Corona-Erfahrungen fließen aber durch eine Umfrage unter Ärzten in den Bericht ein. Die Niedergelassenen klagen neben den Anforderungen durch die Digitalisierung, über die Durchführung von Coronatests oder das Ausstellen pandemiebedingter Bescheinigungen. So etwa fordere jede Schule und jeder Arbeitgeber ein anderes Format für die Bescheinigung Risikopatient.
Laut BIX 2020 schlagen 55,8 Millionen Netto-Arbeitsstunden für Informationspflichten zu Buche, 715.000 mehr als im Vorjahr. Den größten Zuwachs stellen Wittberg und sein Team bei den AU-Bescheinigungen fest. Denn eine hohe Beschäftigungsquote und das steigende Durchschnittsalter der Angestellten führe zu einem höheren Krankenstand.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter