18.09.2019

IGeL: Augenärzte wegen „Wildwest-Methoden“ in der Kritik

Berlin – Sinnvoll oder nicht? Wieder einmal fällt eine Selbstzahlerleistung beim Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) durch. Diesmal trifft es die Optische Kohärenztomographie, die in Augenarztpraxen angeboten wird – mitunter mit „Wildwest-Methoden“, sagt der MDS.

Jeder zweite gesetzlich Versicherte bekommt bei einem Praxisbesuch individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, sagt der MDS. Besonders häufig seien Patienten in Augenarztpraxen damit konfrontiert. Teils werde dort mit unlauteren Mitteln, mit „agressivem Marketing“ versucht, den Patienten Selbstzahlerleistungen aufzudrängen. So berichteten GKV-Versicherte beispielsweise, dass eine Behandlung davon abhängig gemacht worden sei, dass sie kostenpflichtige IGeL in Anspruch nehmen. „Wildwest“ in Augenarztpraxen nennt das MDS-Geschäftsführer Dr. Peter Pick auf einer Pressekonferenz in Berlin. Regeln zum Verkauf von IGeL, die unter anderem auf das Patientenrechtegesetz zurückgehen, würden von einem Teil der Augenärzte nicht eingehalten.
40 Prozent der Zuschriften an den „IGeL-Monitor“ des MDS betreffen augenärztliche kostenpflichtige Gesundheitsleistungen. Jetzt hat der MDS die optische Kohärenztomographie (OCT), die zu einem Preis zwischen 90 und 140 Euro zur Früherkennung des grünen Stars von Augenärzten angeboten wird, auf ihre Sinnhaftigkeit hin untersucht. Das Fazit der MDS-Experten: Da es keine Studien gibt, die den Nutzen von OCT als Früherkennungsuntersuchung zeigen, sei diese Untersuchungsmethode nach Abwägung auch des Schadenpotenzials als „tendenziell negativ“ einzustufen. Bisher hat der MDS noch keiner Selbstzahlerleistung eine positive Bewertung gegeben. Aktuell gibt es nur bei zwei IGeL die Note „tendenziell positiv“.
Gegen die „mediale Generalverurteilung“ von IGeL wehrt sich der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). „Wir sollten dem mündigen Patienten zutrauen, selbst zu entscheiden, ob er eine von seinem Arzt als medizinisch sinnvoll empfohlene Leistung in Anspruch nehmen und zusätzlich bezahlen möchte“, sagt SpiFa-Hauptgeschäftsführer Lars Lindemann.
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