22.05.2019

Hebammen fordern Geburtshilfe-Stärkungsgesetz

Berlin – Anlässlich des Internationalen Hebammentages am 5. Mai warnt der Hebammenverband vor einer Verschlechterung der Situation in Deutschlands Kreißsälen. Ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz soll dabei helfen, die Verhältnisse zu verbessern.

„Wir können die Bedingungen der Hebammen nicht länger hinnehmen“, sagt Andrea Ramsell vom Deutschen Hebammenverband (DHV). Frauen und Neugeborene seien laut Verband nur noch unzureichend versorgt. Die Geburtshilfe sei seit Jahren unterfinanziert und der Personalmangel steige. Zudem hätten sich die Arbeitsbedingungen für Hebammen verschlechtert. Der Anteil fachfremder Tätigkeiten wachse, was zu Lasten der Betreuung von Mutter und Kind gehe. Deutsche Hebammen betreuten inzwischen mehr als doppelt so viele Gebärende in den Kliniken im Vergleich zu Hebammen aus anderen europäischen Ländern – teilweise würden fünf oder mehr Frauen gleichzeitig versorgt.
Mit einem Geburtshilfe-Stärkungsgesetz soll – als großes Ziel – eine Eins-zu-eins-Betreuung ermöglicht werden: Jede Hebamme kümmert sich dabei nur um eine Geburt, sagt Ramsell. Dafür sollen mehr Jobs geschaffen und vorhandene Stellen aufgestockt werden. Weiterhin sollen Kliniken gesetzlich verpflichtet werden, den Betreuungsschlüssel der Kreißsäle zu veröffentlichen, damit Frauen Krankenhäuser vergleichen können. Zudem wünscht der DHV, dass eine bessere ambulante Notfallversorgung das Personal im Kreißsaal entlastet. Darüber hinaus sollen Kliniken verpflichtet werden, regelmäßige Fortbildungen und Notfalltrainings durchzuführen. Laut DHV seien Maßnahmen für gutes Fehlermanagement und eine bessere Zusammenarbeit im Kreißsaal dringend nötig.
Die geplante Akademisierung der Hebammenausbildung und damit die Verzahnung der Praxis mit Theoriephasen seien eine riesige Chance, sagt Yvonne Bovermann vom DHV: „Bildung wird helfen, dass Hebammen bessere Worte in den Kreißsälen finden und sich in der Institution Krankenhaus behaupten.“ Sie fordert, dass die Länder aktiv werden und die neuen Studiengänge schaffen.
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