18.09.2019

Gesundheitspolitik ignoriert wirtschaftliche Bedeutung der Branche

Berlin – Unverhältnismäßig geringe Investitionen in die Gesundheitswirtschaft kritisiert Prof. Dennis A. Ostwald von der Steinbeis Hochschule. Dafür macht er die Entscheidungsfindung im gesundheitswirtschaftlichen Bereich verantwortlich.

Die Entscheidungen würden gegenwärtig aus Versorgungssicht oder aus Kostengesichtsgründen getroffen, ohne den Einfluss der Branche auf die deutsche Gesamtwirtschaft zu berücksichtigen, moniert der Wissenschaftler, der die Junior-Professur für Wirtschaftsforschung und Management an der School of International Business and Entrepreneurship der Steinbeis-Hochschule innehat. Ostwald zufolge vernachlässige die gesundheitspolitische Entscheidungsfindung fundierte Datenerhebungen und -auswertungen, die die Gesundheitswirtschaft in den Kontext der Gesamtwirtschaft einordnen.

Der Wissenschaftler hat eigenen Angaben zufolge das Health Economy Reporting entwickelt. Die systematische Berichterstattung in der Gesundheitswirtschaft soll als Basis bei der gesundheitspolitischen Entscheidungsfindung Unterstützung bieten. In seiner aktuellen wissenschaftlichen Publikation im „International Journal of Business and Social Science“ beschreibt Ostwald gemeinsam mit Prof. Klaus-Dirk Henke (TU Berlin), Benno Legler (WifOR) und Dr. Mirko Claus (Universität Padua, Italien) die Methodik und präsentiert Ergebnisse des Health Economy Reporting für Deutschland.

Daten zur Gesundheitswirtschaft
Im Jahr 2018 machte die Gesundheitswirtschaft mehr als zwölf Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes aus. Das entspricht mehr als eine Milliarde Euro Bruttowertschöpfung pro Tag. Die Zahlen stammen aus den jüngsten Ergebnissen der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Zum Vergleich: Die Automobilbranche generierte im selben Zeitraum weniger als halb so viel Wertschöpfung. Zusätzlich waren im letzten Jahr rund 7,6 Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt. Die Branche war damit Arbeitgeber von jedem sechsten Erwerbstätigen in Deutschland.
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