18.11.2019

eRezept: KBV glaubt nicht an Entbürokratisierung

Berlin – Das elektronische Rezept soll zeitgleich mit der elektronischen Patientenakte (ePA) zur Verfügung stehen. Das kündigt gematik-Chef Dr. Markus Leyck Dieken auf einer Veranstaltung des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) an. Das bedeute allerdings nicht, dass das eRezept dann auch schon auf die ePA gespielt werden kann. Dazu müssten noch rechtliche und technische Hürden genommen werden.

Bis zum 30. Juni 2020 sollen aber die Spezifikationen für das eRezept stehen. An diesen Zeitplan werde sich die gematik halten, betont Leyck Dieken auf der BAH-Informationsveranstaltung „Das elektronische Rezept – Chancen und Risiken für die Versorgung“. Danach ist die Industrie gefragt. Das eRezept kann nach Leyck Diekens Vorstellungen voraussichtlich Anfang 2021 genutzt werden. „Es soll zu einer Erleichterung für Leistungserbringer führen“, sagt er.
Das Prinzip: In der Praxis bekommt der Patient für ein ausgestelltes Rezept ein sogenanntes Token – eine Art digitale Wertmarke, die beispielsweise auf das Smartphone des Versicherten übertragen wird. Dieses Token zeigt er dann in einer Apotheke seiner Wahl. Dort wird es gescannt, sodass die Fachkraft weiß, welches Medikament der Patient bekommt. Alternativ kann das Token auch ausgedruckt werden und auch das klassische Papierrezept werde noch genutzt, wie Sebastian John, Leiter Abteilung Sicherstellung bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), mitteilt. Da es die Vertragsärzteschaft künftig dann mit drei Rezeptvarianten – davon zwei in Papierform – zu tun habe, glaubt John nicht so recht an eine Entlastung und Entbürokratisierung: „Es ist dann weiterhin Zettelwirtschaft in den Praxen.“ Vorteile sieht er durch ein eRezept allerdings in der Arzneimitteltherapiesicherheit. Apotheken und Krankenkassen hätten außerdem eine „deutlich einfachere Verarbeitung“ und Patienten „unmittelbare Mehrwerte“.
Leyck Dieken denkt auch schon weiter, am 30. Juni 2021 soll die Version 2.0 des eRezepts stehen. Dann könnte es beispielsweise das grüne Rezept in digitaler Form geben. Auch an Lösungen für rezeptfreie Medikamente werde gearbeitet.
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