24.08.2020

Corona: Millionen-Plus bei den AOKen

Berlin – Ein Plus von 320 Millionen Euro verbuchen die elf AOKen im ersten Halbjahr. Das teilt der Bundesverband der Ortskrankenkassen mit. Als Grund sieht er „Sondereffekte“ durch die Corona-Krise. Das erste Quartal schloss die AOK-Gemeinschaft noch mit einem Defizit von 435 Millionen Euro ab.

Wegen der Corona-Krise sei die Leistungs-Inanspruchnahme in Krankenhäusern, Zahnarztpraxen, Reha-Einrichtungen, Physiotherapie-Praxen eingebrochen – „teils aus Gründen der Vorsorge, weil Intensivbetten in Krankenhäusern zu Beatmung, teils, weil medizinisch notwendige, aber nicht dringliche Operationen und Behandlungen verschoben werden mussten“, teilt der AOK-Bundesverband mit. „Auch Vorsicht oder Angst der Patienten vor einer Infektion trugen zum Rückgang der Behandlungszahlen bei.“ Der Anstieg der Leistungsausgaben pro Versicherten falle mit einem Plus von 1,6 Prozent (2019: 3,4) dementsprechend gering aus. „Einen solchen Ausgabenknick hat es seit Bestehen der Quartalsstatistik nicht gegeben“, stellt der Bundesverband fest. Laut seinem Vorstandsvorsitzenden Martin Litsch sei unklar, wann und ob überhaupt Nachholeffekte einsetzen. Er rechnet allerdings mit Extraposten. So stemme die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Finanzierung der zusätzlichen Intensivbetten, den Bonus für Pflegekräfte und die Covid-19-Testungen der Bevölkerung. Litsch: „Die Kassen werden zunächst weiter auf Sicht fahren müssen, denn das Finanzergebnis des zweiten Quartals ist bloß eine Momentaufnahme.“
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) glaubt dagegen, dass die Kassen – nicht nur die AOKen – auch in den nächsten Monaten Geld einsparen. DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum hat schon eine Idee, was mit dem Überschuss passieren könnte: „Vor dem Hintergrund dieser Zahlen ist die Weigerung der Kostenträger, die von der Politik geforderte Bonuszahlung für Pflegekräfte zu finanzieren, nicht mehr vermittelbar.“
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