16.12.2020

Corona-Delle und sinkende Fallpauschalen

Berlin – Vor allem im Frühjahr sind infolge der Corona-Beschränkungen zahlreiche Eingriffe abgesagt oder verschoben worden, berichtet Prof. Karl-Dieter Heller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE), im Vorfeld des 22. AE-Kongresses. Mittlerweile habe sich die Lage sichtlich entspannt. Die Versorgung leidet Heller zufolge aber unter wachsendem ökonomischen Druck.

Zur Zeit der ersten Welle sei ein Teil der Patienten geradezu panisch gewesen, berichtet Heller. Die Menge der Endoprothesen habe sich in dieser Phase auf ein Fünftel reduziert. Aufgrund der per Gesetz verfügten Anweisung, elektive Eingriffe zu verschieben, fanden praktisch nur noch akute Fälle den Weg in die Klinik, andere wurden konservativ behandelt – mit entzündungshemmenden Medikamenten, physikalischer Therapie oder Injektionen ins Gelenk.
Mittlerweile herrscht weitgehend normaler Betrieb auf den Stationen, viele Eingriffe wurden bereits nachgeholt. AE-Präsident Heller beziffert den Anteil der abgesagten Eingriffe in der aktuellen Phase der Pandemie auf rund zehn Prozent. Die Patienten wüssten, dass es diesmal länger dauern könne, bis auch die zweite Welle vorübergeht.
Neben dem aktuellen, vorrangig durch Corona bestimmten Geschehen geht es auch um grundsätzliche Fragen. Heller beklagt die dominante Rolle der Ökonomie. Stetig absinkende Fallpauschalen führten dazu, dass nicht immer die besten Materialien zur Anwendung kommen könnten – aus seiner Sicht „volkswirtschaftlicher Wahnsinn“. Diesem will Heller mit einem Ausbau der Mindestmengen, Zentrenbildung und höheren Zuschlägen begegnen. Denn: „Qualität muss bezahlt werden.“
Apropos Qualität: „Materialbrüche und Lockerungen spielen kaum noch eine Rolle“, sagt AE-Generalsekretär und Sprecher des Endoprothesenregisters Prof. Carsten Perka. Der Ansatz, das Ersatzgelenk nach einer OP zu schonen, sei angesichts moderner Material-Kombinationen und spezieller Operationszugänge überholt. Stattdessen empfiehlt Perka, aktiv zu sein und Sport zu treiben – etwa in Form von Wandern, Fahrradfahren oder Joggen, selbst Yoga oder Ballett seien möglich.
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