19.08.2015

Chikungunya-Virus in Europa angekommen

Valencia (pag) – Zum ersten Mal hat sich in Valencia ein Spanier im eigenen Land mit dem Chikungunya-Virus infiziert. Das haben die spanischen Behörden bestätigt. Experten fürchten, dass das Virus nach seiner rasanten Ausbreitung in Mittel- und Südamerika nun in Europa auftritt. Die Tigermücke Aedes albopictus ist als Hauptüberträger des Erregers auch in vielen europäischen Ländern verbreitet. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät zu umfassendem Mückenschutz.

Der Fall zeige, „dass eine Übertragung von Chikungunya-Fieber auch in Europa möglich ist“, betont Prof. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Eine weitere Verbreitung des Erregers in südeuropäischen Ländern sei wahrscheinlich. 2007 war es bereits zu einem Ausbruch von Chikungunya in Italien gekommen. In Spanien sind 86 Chikungunya-Patienten bekannt, die nach einer Afrika- oder Südamerika-Reise erkrankten. Die asiatische Tigermücke, die das Virus überträgt, ist in beliebten europäischen Urlaubszielen verbreitet. Dazu gehören neben Spanien auch Kroatien, Frankreich, Griechenland, Italien, Malta und die Türkei. Bislang trat Chikungunya-Fieber vorwiegend in Afrika, Südostasien, dem indischen Subkontinent und auf den Inseln im Indischen Ozean auf. Nur vereinzelt trugen Touristen ihn in andere Länder. Seit Dezember 2013 scheint der Erreger sich rasant auszubreiten. So haben Gesundheitsbehörden in Süd- und Mittelamerika seitdem rund 1,3 Millionen lokal erworbene Fälle von Chikungunya-Fieber registriert. Betroffene können vier bis sieben Tage nach der Infektion hohes Fieber bekommen. Weitere Symptome sind starke Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Hautausschlag oder Kopfschmerzen. „Ärzte sollten bei Urlaubern aus Spanien oder Südfrankreich in jedem Fall auch eine Infektion mit Chikungunya in Betracht ziehen“, so Jelinek. Die meisten Patienten erholen sich nach wenigen Tagen von selbst wieder. Bei Säuglingen, älteren Menschen oder chronisch Kranken kann es jedoch zu schweren Komplikationen wie einer Leber- oder Herzmuskelentzündung kommen. Einen Impfstoff oder eine gezielte Therapie gibt es bisher nicht. „Reisende in warme Gegenden sollten deshalb auf umfassenden Mückenschutz achten– sowohl tagsüber als auch nachts“, rät Reisemediziner Jelinek. Tagsüber hilft helle und geschlossene Kleidung eher die Mücken fernzuhalten als dunkle. Da Moskitos durch dünne Materialien hindurch stechen können, ist es sinnvoll, feines Gewebe zusätzlich mit einem Insektenschutz zu imprägnieren. Für freie Hautstellen empfehlen sich mückenabweisende Mittel mit dem Wirkstoff DEET (Diethyl-m-Toluamid) in einer Konzentration ab 30 Prozent. Moskitonetze über dem Schlafplatz und an Fenstern und Türen sind abends und nachts als Schutz vor den Insekten ratsam.
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