20.05.2015

Schlaganfall-Experten fordern Einsatz neuer Katheterbehandlung

Berlin – Eine neue Therapie bewahrt Schlaganfall-Patienten mit großen Blutgerinnseln im Gehirn vor dauerhaften Behinderungen: Dies zeigen aktuelle Studien zur sogenannten Thrombektomie, bei der Ärzte den Blutpfropf mechanisch aus dem Gefäß ziehen, anstatt ihn medikamentös aufzulösen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fordert anlässlich des „Tages gegen den Schlaganfall“, diese Therapie flächendeckend verfügbar zu machen.

Schlaganfall-Experten fordern Einsatz neuer KatheterbehandlungDerzeit gibt es in Deutschland 264 von der DSG zertifizierte Stroke Units – spezielle Einheiten in Kliniken, die auf die Versorgung von Patienten mit Schlaganfällen spezialisiert sind. „Schlaganfall-Patienten, die in Deutschland rechtzeitig eine Stroke Unit erreichen, erhalten heute eine Behandlung auf sehr hohem Niveau“, erläutert Prof. Dr. Darius Nabavi, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Vivantes Klinikum in Berlin-Neukölln: „Bei etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Patienten versuchen wir, das Blutgerinnsel durch die Infusion eines Medikaments in die Armvene aufzulösen.“ Dies gelinge aber nicht bei sehr großen Gerinnseln, also bei Patienten mit besonders schweren Schlaganfällen. „Die endovaskuläre Thrombektomie, bei der mit einem Katheter das Gerinnsel aus der Hirnarterie gezogen wird, ist deshalb eine dringend benötigte Ergänzung für Schwerbetroffene“, sagt Nabavi, der bei der DSG die Stroke Unit Kommission leitet. Der Experte schätzt, dass in Deutschland jährlich etwa 10.000 Patienten für die Behandlung in Frage kommen.
Die neue Methode, die auch „mechanische Rekanalisation“ genannt wird, erfordert große Expertise. „Wir benötigen hier eine Qualitätssicherung, die gewährleistet, dass kein Wildwuchs entsteht“, sagt Nabavi. Als ein Instrument der Qualitätssicherung schlägt er die Neurovaskulären Netzwerke (NVN) vor, die sich in den zurückliegenden Jahren in Deutschland gebildet haben. Diese Fachkonferenzen von Neuromedizinern und Gefäßexperten sollten künftig für die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Anwendung des Spezialverfahrens sorgen.
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