23.02.2012

Minimal-invasive Behandlung der Harninkontinenz

In Deutschland leiden etwa sechs bis acht Millionen Deutsche an Harninkontinenz, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Harninkontinenz bei Frauen ist oft bedingt durch frühere Schwangerschaften oder Hormonumstellungen während der Menopause. Dabei verursachen physiologische Veränderungen, dass die Harnröhre nicht in ausreichendem Maße durch das darunter liegende Muskel- und Bindegewebe gestützt wird.

Es gibt verschiedene Formen der Inkontinenz: Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz und Mischinkontinenz. Über 80 Prozent der Frauen mit Inkontinenz leiden an Belastungsinkontinenz, entweder in reiner Form oder als Bestandteil der Mischinkontinenz. Die Betroffenen leiden häufig stark unter den Symptomen. Unbehandelt können Folgeschäden wie Infektionen (z.B. Nierenbeckenentzündungen), vermehrte Stürze und Gedächtnisstörungen durch die reduzierte Flüssigkeitsaufnahme, sowie psychosoziale Leiden wie Depressionen auftreten und zu einer Leidensspirale führen. Inkontinenz ist zudem ein Faktor, der die Aufnahme in Heime oder Krankenhäuser beschleunigt und so die Kosten für das Gesundheitssystem stark ansteigen lässt. Eine erfolgreiche Therapie kann den Patientinnen wieder zu einem „normalen“ Alltag verhelfen und Kosten für Folgebehandlungen einsparen. Neben Beckenbodentraining bieten moderne kleine chirurgische Eingriffe sichere und wirksame Möglichkeiten, um eine Blasenschwäche zu behandeln:
Die Unterspritzung der Harnröhre mit einem so genannten Hydrogel ist eine minimal-invasive Behandlungsmethode von Belastungs- und Mischinkontinenz bei Frauen. Das Unterspritzen der Harnröhren (intraurethrale Injektion) ist nur ein kleiner Eingriff. Hierbei werden ringförmig um die Harnröhre so genannte „bulking agents“ – also Substanzen mit massebildenden, aufbauschenden Eigenschaften – injiziert. Die entstehenden Polster verengen die Harnröhre, sodass sie bei Belastung verschlossen bleibt. Das Polyacrylamid-Hydrogel besteht zu 97,5 Prozent aus Wasser und zu 2,5 Prozent aus Polyacrylamid. Die Behandlung ist sehr komplikationsarm, da das Gel nicht migriert, nicht toxisch oder allergen ist und auch nicht vom Körper abgebaut wird. Es verbindet sich dauerhaft mit dem umliegenden Gewebe und bildet ein bindegewebsartiges Netzwerk, das kontinuierlich wirkt. Das Verfahren ist potenziell für ein breites Patientenspektrum geeignet: Von Betroffenen, die mit konservativen Methoden keinen Erfolg gehabt haben, über Frauen, die keine grösseren Eingriffe wünschen, bis hin zu Patientinnen, die bereits einen operativen Eingriff hatten.
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