21.08.2013

Medikament beschichtetes, resorbierbares Gefäßgerüst bei Koronarer Herzkrankheit

Zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählt die Koronare Herzkrankheit (KHK). Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Herzens, die durch arteriosklerotische Veränderungen der Herzkranzgefäße ausgelöst wird. Die KHK zeigt sich durch Symptome wie Angina pectoris und kann zu Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen sowie plötzlich auftretendem Herztod führen. Zum Herzinfarkt kommt es, wenn sich das Blutgefäß komplett verschließt. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, eine KHK zu therapieren wie beispielsweise das Einsetzen von Metallstents oder Bypass-Operationen.

Medikament beschichtetes, resorbierbares Gefäßgerüst bei Koronarer HerzkrankheitSeit Ende 2012 ist das weltweit erste biologisch abbaubare, Medikament freisetzende Gefäßgerüst (bioresorbable vascular scaffold, BVS) für die Behandlung von KHK-Patienten in der Europäischen Union zugelassen. Ziel der Therapie mit resorbierbaren Gefäßgerüsten ist, zunächst das Gefäß zu öffnen, wie mit klassischen Medikament-freisetzende Stents. Darüber hinaus löst sich aber in der zweiten Phase das Gerüst auf, d.h. es bleibt kein Permanentimplantat im Gefäß zurück, wodurch die Rückkehr in einen natürlicheren Zustand ermöglicht wird. Die abbaubaren Gerüste sind flexibler als die Metallstützen und passen sich daher leichter dem normalen Gefäßverlauf an. Damit kann die zuvor verengte und damit auch unflexibel gewordene Ader wieder pulsieren und ihre ursprüngliche Funktion übernehmen. Eine starre Gefäßstütze aus Metall hingegen verbliebe als permanentes Implantat und würde das Gefäß einschränken. Spätestens nach der vollständigen Auflösung* des Gerüsts nach etwa 2 bis 3 Jahren bleibt eine stabilisierte und offene Ader zurück; die natürlichere Beweglichkeit wird wieder hergestellt.

Basis des Produktes ist eine Polymilchsäure (Bio-Kunststoff), die bereits aus anderen bioresorbierbaren Technologien in der Medizin, wie selbstauflösenden Fäden, bekannt ist. Aus einer ebenfalls aus Polymilchsäure bestehenden Beschichtung wird ein Medikament an die Gefäßwand abgegeben, um unerwünschte Zellwucherungen zu begrenzen und Wiederverengungen vorzubeugen. Das Gefäßgerüst ist ein maschenartiges Geflecht, das entwickelt wurde, um verengte Herzkranzgefäße zu öffnen und dadurch den Blutfluss wieder herzustellen. Es stützt das Gefäß ab bis es soweit geheilt ist, dass es selbstständig offen bleibt. Dann löst* es sich auf natürlichem Weg auf und zerfällt in Wasser und CO2.

Direkt im Anschluss an den Eingriff ist, im Gegensatz zur Therapie mit Metallstents, eine nicht-invasive Bildgebung möglich. Auch potentielle Wiedereingriffe sind nach Auflösung des Gefäßgerüsts sowohl chirurgisch als auch interventionell einfacher durchzuführen. Der Patient behält keinen permanenten metallischen Stent zurück und das Gefäß kann durch den BVS zu seiner natürlichen Funktion und Beweglichkeit zurückkehren.

*Kleine Platinmarker an den Gerüstenden verbleiben im Gefäß zur Röntgenkontrolle
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