21.08.2012

Intermittierende pneumatische Kompression (IPK): Thromboserisiko entscheidend reduzieren

Jedes Jahr sterben mehr als eine halbe Million Europäer an den Folgen einer tiefen Beinvenenthrombose. Thrombus ist die Bezeichnung für ein Gerinnsel in einer Vene oder einer Arterie, das den Blutfluss behindert oder ganz blockiert. Am häufigsten kommen Thrombosen in den Beckenvenen und den so genannten tiefen Beinvenen vor, die zwischen den Muskeln des Beines verlaufen. Wird ein solcher Teil- oder Komplettverschluss nicht erkannt, können langfristige Venenschädigungen wie Krampfadern und „offene Beine“ die Folge sein. Lebensgefährlich wird es, wenn sich das Gerinnsel löst und mit dem Blutstrom in die Lunge geschwemmt wird: dann droht eine tödliche Lungenembolie. Typisches Kennzeichen für eine tiefe Beinvenenthrombose ist das schmerzhafte Anschwellen des betroffenen Beins. Die Haut glänzt, ist gespannt und ggf. leicht bläulich.

Man unterscheidet drei Ursachen für die Entstehung tiefer Beinvenenthrombosen: Veränderungen bzw. Verletzungen der Gefäßwand, ein verändertes Gerinnungsverhalten des Blutes sowie eine Verlangsamung der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes. Bei längeren Operationen im Bauch-, Bein-, oder Beckenbereich kommen alle drei Ursachen zum Tragen und die Thrombosegefahr ist sowohl intra- als auch postoperativ besonders hoch. Als Prophylaxestandard gegen die Gerinnselbildung gelten physikalische Maßnahmen wie die Kompressiontherapie, frühe Mobilisation des Patienten, Krankengymnastik sowie blutverdünnende Medikamente, vor allem Heparin. Eine Innovation in der physikalischen Prophylaxe stellt die kombinierte Therapie mit speziellen Medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTS) und der Intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK) dar. Die individuell an die Beine des Patienten angepassten MTS übernehmen zum Teil die Funktion der Muskeln: sie üben aufgrund ihrer speziellen Struktur einen vom Knöchel zur Leiste hin abnehmenden Druck aus. Die Venen werden so von außen verengt und das Blut fließt schneller. Bei der zusätzlich anwendbaren IPK werden aufblasbare Manschetten mit drei Luftkammern um die Beine gelegt. Werden sie abwechselnd (intermittierend) vom Knöchel zur Leiste hin mit Luft gefüllt, erzeugen sie ansteigende Druckwellen, die das Blut effektiv aus den tiefen Beinvenen pressen und somit deren vollständige Leerung fördern. Damit imitieren sie die Funktion der natürlichen Muskelpumpe. Sensoren in den Manschetten überprüfen zudem regelmäßig den Füllstatus in den Venen und ermöglichen ein genaues Timing des Kompressionsdrucks. Der Blutfluss wird maximiert und die Stauung des Blutes minimiert. Während der Operation und danach, aber auch bei längerer Bettlägerigkeit, kann das Thromboserisiko so entscheidend reduziert werden.
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