23.05.2011

Die heilbare Form der Demenz - Behandlung des Altershydrozephalus mit Gravitationsventilen

Nachlassen der Denkfähigkeit (Demenz), Inkontinenz und ein breitbeiniger, schlurfender Gang – häufig werden diese Krankheitszeichen mit dem normalen Alterungsprozess erklärt oder eine schnelle Alzheimer- oder Parkinson-Diagnose gestellt. Dabei können genau diese drei Symptome ein deutlicher Hinweis auf einen Normaldruckhydrozephalus (NPH) sein. In Deutschland sind ca. 60.000 bis 80.000 Menschen davon betroffen, Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen. Mit den richtigen Diagnose-Techniken können Experten, in der Regel Neurologen bzw. Neurochirurgen, den Normaldruckhydrozephalus leicht von einer Parkinson- oder Alzheimer-Erkrankung abgrenzen. Um eine dauerhafte Milderung der Symptome zu erreichen, ist eine kleine Operation notwendig.



Ein Großteil der Patienten erlebt durch eine Ableitung des Hirnwassers mithilfe eines so genannten Shuntsystems (Shunt; „to shunt sth.“ bedeutet „etwas verlagern“) eine deutliche Besserung der Symptome. Ein Shuntsystem besteht in der Regel aus einem Ventrikelkatheter, einem Silikonschlauch und einem Ventil. Für den circa einstündigen relativ kleinen Eingriff erhält der Patient eine Vollnarkose. Dann bohrt der Neurochirurg ein kleines etwa acht Millimeter großes Loch in die Schädeldecke, um Zugang zu den Hirnkammern zu bekommen. In diesen lagert das abzutransportierende Hirnwasser. Durch das Loch schiebt der Operateur einen dünnen Ventrikelkatheter, welcher an der Spitze feine Löcher besitzt, in eine der beiden Hirnkammern. Ist er an Ort und Stelle gelagert, wird der Katheter mit einem Ventil verbunden, das meist hinter dem Ohr unter die Haut gesetzt wurde. In einem letzten Operationsschritt wird das Ventil mit einem weiteren Schlauch verbunden, der unter der Haut von der Schädeldecke hinter dem Ohr entlang bis in die Bauchhöhle führt. Der Liquor fließt also vom Hirn in den Bauchraum, wird dort vom Bauchfell aufgenommen und durch den Körper auf natürlichem Wege abgebaut. Das wichtigste Element eines jeden Shuntsystems ist das Ventil. Es hat die Aufgabe den Abfluss der Hirnflüssigkeit so zu regeln, dass weder zuviel noch zu wenig Hirnwasser abgeleitet wird und somit der Hirndruck im physiologischen Bereich bleibt. Sehr viele Shuntsysteme scheitern aber an dieser Aufgabe, was zu häufigen Komplikationen für den Patienten führt. Moderne Ventilsysteme beinhalten daher eine Gravitationseinheit. Diese sorgt dafür, dass sich der Ventilöffnungsdruck automatisch an die Körperhaltung des Patienten anpassen kann. Mit Hilfe dieser innovativen Technologie können viele Revisionen vermieden werden zum Wohle der Patienten und des gesamten Gesundheitssystems. Ein Shuntsystem kann in der Regel dauerhaft im Körper verbleiben. Der Patient sollte einmal pro Jahr zu einer Nachuntersuchung beim Neurochirurgen gehen, um die Funktion des Shunts zu überprüfen und die Entwicklung der Krankheitssymptome zu beobachten.
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