28.10.2013

Ambulante MRSA-Eradikation bei kolonisierten Patienten: Screening und Sanierung vor elektiven Operationen reduzieren MRSA-Infektionen und Folgekosten

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) ist ein Problemkeim im Krankenhaus, aber auch im ambulanten Bereich. Etwa 20 Prozent der Menschen sind ständig, 60 Prozent zeitweise mit der nicht resistenten Variante des Keimes besiedelt. Gefährlich wird erst der multiresistente Keim für Risikopatienten – etwa für Menschen, die immungeschwächt sind oder für die eine Operation ansteht. Bei diesen Patienten können MRSA eine Infektion auslösen, die mit hoher Komplikationsrate und Letalität sowie erheblichen Kosten für nachfolgende Behandlungen assoziiert ist. Eine ambulante MRSA-Sanierung etwa vor einem invasiven Eingriff wie Gelenkersatz kann Komplikationen deutlich reduzieren und Folgekosten vermeiden.

Ambulante MRSA-Eradikation bei kolonisierten Patienten: Screening und Sanierung vor elektiven Operationen reduzieren MRSA-Infektionen und FolgekostenNosokomiale Infektionen entstehen im Zuge eines Aufenthalts im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung. In Deutschland geschehen pro Jahr etwa 500.000 bis 800.000 solcher Krankenhausinfektionen, die in 80 Prozent der Fälle durch die Hände übertragen werden. Ein Keim, der zu den häufigsten Erregern bakterieller Infektionen gehört, ist der Staphylococcus aureus. Bei immungeschwächten Patienten oder bei Menschen mit operativen Eingriffen können sie über die Wunde in den Körper eindringen und Infektionen verursachen. Die
therapeutischen Möglichkeiten sind aufgrund der Resistenz dann erheblich beschränkt.
Gerade in der Endoprothetik sind MRSA hoch problematisch, da sie gute Biofilmbildner auf künstlichen Oberflächen sind: Bei kolonisierten Patienten können die Keime im Rahmen der Operation künstliche Hüft- oder Kniegelenke und Gefäßprothesen besiedeln.

Prävention durch adäquate Hygienemaßnahmen

Als Hauptübertragungsweg gelten die Hände. Geeignete Hygienemaßnahmen können daher eine wirksame Prävention sein und die Infektionsrate – nicht nur mit MRSA – deutlich reduzieren. Die Prävention von MRSA-Infektionen beginnt mit einer adäquaten Personalhygiene und geeigneter Schutzkleidung, die ausreichend desinfizierend gewaschen werden kann und reicht über eine regelmäßige Unterweisung über Arbeitsabläufe und hygienische Maßnahmen, die im Rahmen eines Qualitätsmanagements dokumentiert wird, bis zu baulichen Bedingungen und einem Inventar, das abwisch- und desinfizierbar ist.
Die zunehmende Ausbreitung im ambulanten Bereich hat im April 2012 erstmals Beachtung gefunden, als die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Gesetzlichen Krankenversicherer (GKV) eine gesetzliche Vergütungsvereinbarung zu MRSA abgeschlossen hatten. Als Risikopatient gilt der Vereinbarung nach, wer in den letzten sechs Monaten an mindestens vier zusammenhängenden Tagen stationär behandelt wurde und zusätzlich entweder einen positiven MRSA-Nachweis aufweist oder weitere Kriterien erfüllt, wie Pflegebedürftigkeit, Antibiotikatherapie in den vergangenen sechs Monaten, liegenden Katheter, Dialysepflicht oder Hautulkus beziehungsweise andere Wunden. Bei diesen Patienten sollte ein MRSA-Status erhoben und im positiven Fall eine Sanierungsbehandlung (Eradikation) eingeleitet werden. Das Sanierungsschema umfasst die Behandlung über fünf bis sieben Tage mit antibiotischer Nasensalbe (3x/d), Mund- und Rachenspülung mit antiseptischer Lösung (3x/d), Körper- und Haarwäsche mit antiseptischen Seifen sowie begleitende Maßnahmen wie täglicher Wechsel von Zahnbürste, Kamm und Wäsche. Nach einer Pause von zwei bis vier Tagen erfolgt eine Erfolgskontrolle mit Abstrichen an den initialen Lokalisationen und weiteren zwei bis drei Kontrollabstrichen bis Monat 12. Fällt auch der letzte Abstrich negativ aus, gilt der Patient als MRSA-frei.

MRSA-Träger sollten schon prästationär untersucht und saniert werden

Allerdings können nach den bestehenden Abrechnungsziffern derzeit nur Patienten innerhalb von sechs Monaten nach einem Krankenhausaufenthalt auf Kosten der Kassen auf MRSA gescreent werden. MRSA-Träger sollten aber schon prästationär untersucht und saniert werden: Am Rotes Kreuz Krankenhaus in Bremen startete im März 2012 ein Pilotprojekt zur ambulanten MRSA-Sanierung bei besiedelten Patienten vor einem endoprothetischen Eingriff. Das Bremer Projekt zeigt, dass ein präoperatives MRSA-Screening praktikabel ist und von den Patienten in hohem Maße akzeptiert wird. Bei geringen initialen Kosten können komplikationsassoziierte hohe Folgekosten verhindert werden. „Die Kosten, die wir durch die Verhinderung einer Infektion einsparen, reichen aus, um – bei gleicher prozentualer Verteilung der Kolonisation wie im bisherigen Verlauf – bis zu 3.000 Patienten screenen und gegebenenfalls sanieren zu können“, so Prof. Dr. med. Stefan Herget-Rosenthal, Chefarzt des Rotes Kreuz Krankenhauses.
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