23.03.2020

Therapiefreiheit versus Gewinnorientierung

Berlin – Kann der Arzt in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in der Hand eines Private-Equity-Investors ungehindert seiner Therapiefreiheit nachgehen oder muss er sich der Gewinnorientierung unterordnen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Gesundheitsausschuss des Bundestags in einer öffentlichen Anhörung. Basis ist ein Antrag der Fraktion Die Linke. Sie fordert u.a. mehr Transparenz, zum Beispiel in Form eines MVZ-Registers.

Die Bundesärztekammer (BÄK) befürchtet, „dass medizinische Entscheidungen mehr und mehr zugunsten einer renditeorientierten Leistungserbringung beeinflusst werden“, heißt es in ihrer schriftlichen Stellungnahme. Dr. Kaweh Schayan-Araghi, ärztlicher Direktor der Artemis Augenkliniken und Medizinischen Versorgungszentren, sieht es anders. „Unsere Ärzte interessieren sich gar nicht für die wirtschaftlichen Belange, sonst hätten sie sich ja selbstständig gemacht.“ Das kann Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), nicht glauben. „Im zahnärztlichen Bereich häufen sich die Klagen von angestellten Zahnärzten über enormen betriebswirtschaftlichen Druck, der über Eigentümerstrukturen auf sie ausgeübt wird“, erzählt er. BÄK und KZBV plädieren für ein MVZ-Register. Träger- und Eigentümerstrukturen könnten so offengelegt werden.
Frederik Mühl, Vertreter des Bundesverbands der Kapitalbeteiligungsgesellschaften, meint allerdings: „Die Private-Equity-Investoren sind keine Geheimniskrämer.“ Ein Transparenzregister würde keine entscheidenden neuen Erkenntnisse für die politische Diskussion liefern. Er glaubt, dass Private Equity ein Gewinn für die Gesundheitsversorgung ist. „Das Geschäftsmodell ist nicht, Unternehmen auszusaugen. Das Geschäftsmodell ist, Unternehmen zu kaufen, zu verbessern und dann teurer weiterzuverkaufen.“ Und das schaffe man durch effiziente Versorgungsstrukturen. Ferner sorgten MVZ durch Fokus auf Spezialisierungen für medizinische Qualität.
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