24.04.2009

Start des neuen Krebsregisters in Baden-Württemberg

Berlin/Stuttgart – Wie viele Einwohner erkranken jährlich an Krebs? Wie sind Risikofaktoren für Krebs zu identifizieren? Was sind geeignete Früherkennungsmaßnahmen? Für diese und andere Fragen soll das neue baden-württembergische Krebsregister künftig gesicherte Daten liefern.



Seit Anfang des Jahres gilt die Meldepflicht an das neu eingerichtete Register. Am 1. April gab die Sozialministerin des Landes, Dr. Monika Stolz, offiziell den Startschuss. „Mit diesem Krebsregister setzt Baden-Württemberg neue Maßstäbe“, so Stolz. Die Erfassung aller Krebsneuerkrankungen in Verbindung mit der landesweiten elektronischen Meldung zahlreicher Daten sei in dieser Form erstmalig in Deutschland.

Für das Krebsregister kooperieren drei Träger: Der epidemiologische Teil des Registers – die flächendeckende Erfassung aller neu auftretenden Krebserkrankungen – ist im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg angesiedelt. Das klinische Register trägt die Krankenhausgesellschaft des Landes in Stuttgart. Es dokumentiert Therapiearten und Krankheitsverläufe und soll damit zur regionalen Qualitätssicherung in der Krankenversorgung beitragen. In der Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung wurde eine so genannte Vertrauensstelle eingerichtet, an die Ärzte und Kliniken die Krebsneuerkrankungen melden. Diese Daten werden chiffriert und als anonymisierte Datensätze an die beiden anderen Register weitergeleitet.
Die umfassende Krebsregistrierung soll neben dem Nutzen für Erkrankte und Ärzte auch große epidemiologische Forschungsvorhaben erleichtern. Außerdem fließen die Daten aus Baden-Württemberg in die regelmäßig aktualisierte bundesweite Krebsstatistik ein, die vom Robert Koch-Institut in Berlin zusammengestellt wird. „Krebs ist in Deutschland nach Herz-Kreislaufkrankheiten die zweithäufigste Todesursache. Daher ist eine umfassende Dokumentation aller Erkrankungsfälle ein zentrales Instrument, um in gesundheitspolitischen Fragen zu qualifizierten Entscheidungen zu kommen“, fasst Prof. Dr. Nikolaus Becker vom DKFZ die Bedeutung des Registers zusammen.

Es wird angestrebt, über drei Ausbaustufen bis 2011, alle Erkrankungen in Baden-Württemberg im Krebsregister zu erfassen. Dazu sollen im Rahmen einer ersten Ausbaustufe zunächst alle Fälle, bei denen die Krebsdiagnose ab dem 01.01.2009 gestellt wurde, von den vier Tumorzentren und zwölf onkologischen Schwerpunkten des Bundeslandes an das Krebsregister gemeldet werden. Im nächsten Schritt sollen alle weiteren Krankenhäuser und Pathologen in Baden-Württemberg einbezogen werden, gefolgt zuletzt von den niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten. Laut Ministerin Stolz steht es selbstverständlich jedem Patienten frei, die Meldung des behandelnden Arztes durch einen Widerspruch zu unterbinden.
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