18.11.2019

Patientenlotsen sollen Gesundheitskompetenz stärken

Berlin – Patientenlotsen, auch Case Manager genannt, sollen Patienten durch die komplexe Versorgungskette leiten, medizinische und soziale Leistungen koordinieren, bis die Patienten selbst dazu in der Lage sind. Über die koordinierende Aufgabe hinaus sieht Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), auch einen hohen Beratungsbedarf bei den Patienten.

Patientenlotsen sollen Gesundheitskompetenz stärkenDie Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Claudia Schmidtke, setzt sich dafür ein, Patientenlotsen gesetzlich zu verankern. „Patientenlotsen können dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung patientenzentrierter zu organisieren,“ sagt sie auf der Fachtagung Patientenlotsen des Bundesverbandes Managed Care (BMC) und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Insbesondere für chronisch kranke Patienten sei die Einführung von Lotsen sinnvoll. Unterstützung erhält Schmidtke durch Reinhardt. „Aus meiner eigenen Praxis weiß ich, dass die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung rückgängig ist“, sagt der BÄK-Präsident. Er macht deutlich, dass Hausärzte mit der Koordination von Leistungen und der Beratung ihrer Patienten häufig überfordert seien. „Der Hausarzt hat primär andere Aufgaben, er ist kein Lotse. Das sollten andere übernehmen,“ sagt er. „Diese organisatorische Unterstützung ist eine hochgradige Entlastung für uns Ärzte. Deshalb unterstützen wir das politisch.“

Im Mittelpunkt der Tagung steht die Vorstellung des Projekts „Stroke Owl“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, das aus Mitteln des Innovationsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung gefördert wird. 17 Schlaganfall-Lotsen betreuen darin rund 1.600 Schlaganfall-Patienten in Ostwestfalen-Lippe für ein Jahr lang. Verwandte Projekte sind der Schwangerenlotse, der Cardiolotse und der Geriatrielotse. Für Prof. Volker Amelung, Vorstandsvorsitzender des BMC, ist die Zeit gekommen, aus den vielen Pilotprojekten jetzt zu einer tragfähigen, indikationsübergreifenden Lösung zu kommen. Prof. Peter Löcherbach, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management, sieht nun den Gesetzgeber in der Pflicht.
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