24.04.2013

Mengenausweitung: Bahr will gegen Fehlanreize vorgehen

Berlin – Die Mengenausweitung bei Operationen in deutschen Krankenhäusern lässt sich laut Gesundheitsminister Daniel Bahr nicht allein mit der demographischen Entwicklung und dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt begründen. Fehlanreize müssen beseitigt werden, so Bahr auf einer internationalen Konferenz zur Mengenentwicklung im Krankenhaus.

Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kommt zu der Erkenntnis, dass der im OECD-Vergleich gute Zugang zu Krankenhausleistungen eine Stärke des deutschen Gesundheitswesens sei. Der Umfang sei in Deutschland höher als in anderen OECD-Staaten und übersteige bei weitem die Unterschiede, die sich durch Demographie, Morbidität und soziale Präferenzen beim Zugang zu Gesundheitsleistungen rechtfertigen ließe, heißt es. Beispielsweise liegt Deutschland mit 240 Fallzahlen auf 1.000 Einwohner laut Studie um ca. 50 Prozent höher als der OECD-Durchschnitt von 155 pro 1.000 Einwohner im Jahr 2010. Bei den Herz-Kreislauferkrankungen und künstlichen Hüftgelenken ist Deutschland an der Spitze, bei künstlichen Kniegelenken auf Platz zwei. Des weiteren sind die Fallzahlen bei Krebs nahezu doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt, die Krebshäufigkeit entspreche jedoch ungefähr dem OECD-Durchschnitt, geht aus der Analyse hervor.
Nicht jede Mengenentwicklung müsse man kritisch sehen, betont der Gesundheitsminister in seiner Eröffnungsrede. Bahr zufolge sollen Kliniken, die gute Arbeit leisten, durchaus auch mehr operieren. „Aber es gibt offensichtlich einen starken Druck, viel machen zu müssen“, betont der Minister. Zu diskutieren sei deshalb, „welche Anreize gesetzt werden können, damit die Kliniken profitieren, die eine gute Behandlung anbieten und nicht die, die einfach nur mehr operieren.“ Berücksichtigen müsse man auch, dass die Mengenausweitung zu höheren Kosten führe, aber auch zu einer Arbeitsverdichtung in den Kliniken, die Patienten, das pflegerische und ärztliche Personal belasten, so Bahr weiter.
Für Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), belegt der OECD-Bericht eindrucksvoll, „dass wir ein gravierendes Mengenproblem in deutschen Krankenhäusern haben.“ Das Geld müsse zielgenauer dort eingesetzt werden, wo Qualität objektiv gemessen wird. Um dafür einen Anreiz zu setzen, sollten künftig nur Krankenhäuser mit einer guten Behandlungsqualität einen Anspruch auf die volle Vergütung haben. „Die OECD-Studie bescheinigt den Kliniken in Deutschland ein international herausragend hohes Versorgungs- und Leistungsniveau, ein weltweit einmaliges Qualitätssicherungssystem, unbeschränkten und flächendeckenden Zugang für die Patienten zu Qualitätsmedizin“, kommentiert Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum. Anhand statistischer Werte werde mit dieser Studie aber auch versucht, den Anschein einer stationären Überversorgung zu erwecken.
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