16.01.2020

Kritik an Speicherung von Patientendaten in der Cloud

Frankfurt/Main – Gegen das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Patientendaten der Forschung zugänglich zu machen, wenden sich über 20 Datenschutz-Initiativen. Sie haben ein Arbeitsbündnis gegen Datenmissbrauch in der Medizin gebildet.

Kritik an Speicherung von Patientendaten in der Cloud„Es ist fünf vor zwölf. In einem Jahr sollen alle Daten gesetzlich Versicherter in einer Cloud gespeichert werden und dort nicht nur allen anderen Behandlern eines Patienten, sondern auch der Forschung zugänglich gemacht werden", sagt Dieter Adler, Vorsitzender des Deutsche Psychotherapeuten Netzwerks, das in Frankfurt/Main zu einem Treffen geladen hat. Das Netzwerk warnt seit Jahren vor den Folgen der Speicherung von Patientendaten an einem zentralen Ort. Datenskandale in der jüngsten Zeit zeigten, dass die Technologie bei Weitem nicht so sicher sei wie versprochen, lautet die Kritik.
Das Arbeitsbündnis gegen Datenmissbrauch in der Medizin spreche sich nicht grundsätzlich gegen die Digitalisierung aus.
Adler bemängelt, dass in Zukunft Praxen gezwungen werden, sich ans Internet anzuschließen und die Patientendaten „dort“ abzulegen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Psychotherapeuten Netzwerks wussten 44 Prozent der befragten Versicherten nichts von der Gesundheitscloud. 86 Prozent lehnen den Angaben zufolge die zentrale Speicherung ihrer medizinischen Daten dort ab. Im Juni 2019 habe der Verband der Betriebsärzte, die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, die Politik aufgefordert, ebenfalls Einblicke in die Gesundheitscloud zu bekommen. Damit, so hieß es auf der Versammlung der Datenschutz-Initiativen, würden Einstellungs- und Weiterbeschäftigungsuntersuchungen zum „Kinderspiel". Der Arbeitgeber könne alle Krankheiten des Arbeitnehmers erfahren.
Das neugegründete Arbeitsbündnis gegen Datenmissbrauch in der Medizin will die Öffentlichkeit informieren und gleichzeitig mit Behandler- und Patientenvertretern sowie Datenschützern neue Modelle der Digitalisierung entwickeln.
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