16.07.2020

Krankenhäuser: BMG will keine Gießkannen-Förderung

Berlin – Drei Milliarden Euro vom Bund und 900 Millionen von den Ländern sollen die Krankenhäuser für Digitalisierung bekommen. Doch beim Krankenhaus Digital Summit des Health Innovation Hub stellt Dr. Gottfried Ludewig aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) klar: „Es wird nicht mit der Gießkanne verteilt.“

Krankenhäuser: BMG will keine Gießkannen-FörderungDas BMG will Kriterien benennen und Prozesse definieren, Insellösungen sollen nicht unterstützt werden, hält Ludewig, Abteilungsleiter Digitalisierung und Innovation im Ministerium, fest. Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), will sich dem nicht verschließen, meint aber, dass man nicht ganz ohne Pauschalzuweisungen auskommen werde.

Henning Schneider, Chief Information Officer bei Asklepios, hält eine Erfolgsmessung und eine Zweckbindung für notwendig. Aber wo genau die Mittel eingesetzt werden, sollte man den Kliniken selbst überlassen. Eine große Befürchtung äußert Bernhard Calmer, Geschäftsführer der CompuGroup Medical: „Das Geld wird in Kabel versenkt.“ Er macht auch deutlich, dass die fast vier Milliarden Euro schnell aufgebraucht sein könnten. Nimmt man die Gießkanne, stehen jedem Haus rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Das reiche gerade einmal für die OP-Robotik, sagt Calmer. Weitestgehende Einigkeit herrscht darüber, dass es ein übergeordnetes Institut für Digitalisierung geben muss und dass die unterschiedlichen Krankenhausinformationssysteme (KIS) miteinander kompatibel sein sollten. Das müsse nicht ein gemeinsames KIS sein, führt Dr. Peter Gocke, Chief Digital Director der Charité, aus, aber die Interoperabilität müsse gewährleistet sein.

Die Corona-Krise habe gezeigt, in welchen Bereichen digitaler Nach- und Aufholbedarf besteht – allerdings nicht nur bei den Krankenhäusern, sondern beispielsweise auch in den Gesundheitsämtern, hält Gaß fest. „Was nicht gut geklappt hat, ist der Daten- und Informationsaustausch“, nennt er ein Beispiel. „Laborergebnisse von Coronatests mussten teilweise per Fax hin- und hergeschickt werden.“
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