24.04.2013

IGeL: Mehrzahl der Leistungen „schneidet nicht gut ab“

Berlin – „Die Mehrzahl der IGeL-Leistungen schneidet nicht gut ab, einige sogar ziemlich schlecht.“ Diese Bilanz hat Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS), nach einem Jahr IGeL-Monitor gezogen. Von den Ärzten fordert er bei Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) mehr Verantwortung.

„Teile der Ärzteschaft müssen sich wegen ihres verkaufsorientierten Umgangs mit IGeL-Leistungen mancher Kritik stellen und vielleicht auch Vertrauensverluste hinnehmen“, sagt Pick. Die Ärzteschaft sei „insgesamt zu einem deutlich seriöseren Umgang mit den IGeL-Leistungen aufgerufen“, betont er. Mit der Analyse des Ultraschalls der Brust zur Krebsfrüherkennung, bewertet mit „unklar“, enthält der IGeL-Monitor des MDS nach einem Jahr 30 Urteile: Zwölf weisen eine negative oder tendenziell negative Schadensbilanz auf, bei elf Bewertungen kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis „unklar“. Das bedeutet, es liegen keine Informationen über den Nutzen und Schaden dieser Leistungen vor, oder Schaden und Nutzen halten sich die Waage. Drei IGeL wurden mit „tendenziell positiv“ bewertet, vier wurden nur beschrieben.
„Zu den bisher veröffentlichten IGeL zählen auch die am häufigsten angebotenen Leistungen: Dies sind zur Krebsfrüherkennung der Ultraschall der Eierstöcke und der PSA-Test, die Augeninnendruck-Messung zur Glaukom-Früherkennung und die Professionelle Zahnreinigung“, sagt Dr. Monika Lelgemann, Projektleiterin des IGeL-Monitors. Nehme man noch die aktuelle Bewertung des Ultraschalls der Brust hinzu, habe man „die Top-Seller bewertet“. Das Fazit ist ernüchternd: So sei keine dieser IGeL-Leistungen über ein „unklar“ hinausgekommen.
In Zukunft will der IGeL-Monitor unter anderem weitere Untersuchungen beim Augenarzt, zahnmedizinische Leistungen sowie konkret zum Beispiel die Anwendung von Hyaluronsäure bei der Kniegelenksarthrose überprüfen.
Einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zufolge ist die Zahl der insgesamt angebotenen IGeL-Leistungen von 20,9 Millionen (2010) auf 26,2 Millionen (2012) angestiegen.
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