24.04.2013

Hygiene: Kliniken sollten nicht auf die Kosten schauen

Berlin – Krankenhäuser sollten bei der Hygiene nicht zuerst auf die Kosten schauen. Das hat Annette Widmann-Mauz (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, gefordert.

Hygiene: Kliniken sollten nicht auf die Kosten schauenSie mahnt anlässlich der 8. Plattform Gesundheit des IKK e.V. zum Thema „Krankenhauskeime: Schicksal oder ignorierte Gefahr?“ an, stärkere Hygienemaßnahmen als Chance zu begreifen. „Das sind Investitionen, die sich mehr als einmal amortisieren“, so Widmann-Mauz. Die Hamburger Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), beziffert die Kosten, die Kliniken für die Therapie eines MRSA-Patienten ausgeben, auf rund 10.000 Euro. Es sei eine „gelebte Hygienekultur“ in einer Klinik notwendig, um MRSA-Keime zu vermindern. Dazu gehören für die Politikerin auch ausreichend ausgebildete Hygienefachkräfte sowie eine verbesserte Aus- und Weiterbildung für medizinische Berufe. Prüfer-Storcks plädiert dafür, dass nicht nur Krankenhäuser unter die Hygieneverordnung fallen, sondern auch Pflegeheime. Kritik kommt von IKK e.V.-Vorstand Hans-Jürgen Müller. Nach seiner Einschätzung sei das Bewusstsein in den Köpfen der Verantwortlichen und der Öffentlichkeit nicht ausreichend. Und das, obwohl „jährlich mehr Menschen an Krankenhauskeimen als an der Immunschwäche Aids sterben“.
Prof. Dr. Petra Gastmeier, Direktorin des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen, betont, dass MRSA-Erreger längst nicht mehr das drängendste Problem sind. Zwischen 2008 und 2012 sei der MRSA-Anteil um 30 Prozent zurückgegangen. Einen dramatischen Anstieg von 142 Prozent habe es jedoch bei gramnegativen Enterobakterien gegeben, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. „Wir haben bereits Patienten, wo nichts hilft“, sagt Gastmeier. Sie bemängelt, dass sich die Industrie zunehmend aus der Forschung neuer Antibiotika zurückzieht. Die letzte Entwicklung eines neuen Medikaments sei vor 13 Jahren auf den Markt gekommen. „Ich fürchte, dass die Resistenz von Antibiotika schneller voranschreitet als die Entwicklung neuer Medikamente“, betont Gastmeier. Angesichts der besonderen Problemlage mahnt Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V., ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen an. Er plädiere dafür, „dass sich an der Finanzierung Leistungserbringer, Leistungsträger, aber auch die öffentliche Hand angemessen beteiligen“.
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