16.04.2019

Hebammenberuf: Vollakademisierung wird vorangetrieben

Berlin – Der Referentenentwurf zum Hebammenreformgesetz und damit die vollständige Akademisierung der Ausbildung lösen unterschiedliche Reaktionen aus.

In einem dualen Studium sollen Hebammen künftig auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet werden, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum vorliegenden Referentenentwurf des Hebammenreformgesetzes. Wichtig sei der große praktische Anteil neben der theoretischen Ausbildung – damit werde die Attraktivität des Berufs erhöht. Mit dem geplanten Gesetz sollen EU-Vorgaben umgesetzt werden. Das muss bis zum 18. Januar 2020 geschehen.
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sieht den Gesetzentwurf kritisch, denn er verschärfe Hebammenmangel in den Kreißsälen und gefährde die Versorgung von Mutter und Kind nachhaltig. „Gleichzeitig wird der hohe Standard der Hebammenausbildung in Deutschland gefährdet“, heißt es vom Verband. „Hebammen, die seit Jahrzehnten nach dreijähriger Ausbildung diesen Lehrberuf auf höchstem Niveau in den Kreißsälen Tag und Nacht ausüben, werden diskriminiert.“ Der Beruf genieße aufgrund seiner hochwertigen Ausbildung im Lehrberuf große Anerkennung. Defizite sehe die DGGG nicht.
Der Deutsche Hebammenverband (DHV) dagegen begrüßt die Akademisierung. Das Studium spiegele das hohe Niveau der Hebammenarbeit wider, erklärt DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer. Hebammen werden während ihres gesamten Studiums eine Vergütung erhalten, die von den Krankenkassen finanziert wird, erläutert der Verband. In den Bundesländern müsse der Umbau schnellstmöglich vorangetrieben werden. Auch der Deutsche Pflegerat spricht sich für die Akademisierung aus. Das Ministerium gehe den richtigen Weg und passe die Anforderungen an Hebammen endlich an die verantwortungsvollen Aufgabenstellungen des Berufes an. Positiv sieht die geplante Reform auch Grünen-Politikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther: „Die Akademisierung der Hebammenausbildung steigert die Attraktivität des Berufs. Und sie ist die Grundlage dafür, dass Hebammen endlich gemäß ihrer Qualifikation eingesetzt und bezahlt werden.“
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