11.07.2018

Beschluss über neues Zulassungsverfahren zum Medizinstudium

Erfurt – Auf ihrer Plenarsitzung in Erfurt hat sich die Kultusministerkonferenz (KMK) über die Zugangsregelung für das Medizinstudium verständigt. Danach soll die Wartezeitquote entfallen. 20 Prozent der Studienplätze sollen weiter über die Abiturnote vergeben werden. Zusätzlich soll eine noch nicht näher spezifizierte Talentquote eingeführt werden.

Beschluss über neues Zulassungsverfahren zum MedizinstudiumBislang werden 20 Prozent der Plätze an jene Bewerber vergeben, die am längsten warten. Diejenigen, die bereits seit Jahren warten, könnten nach Abschaffung der Wartezeit über ein Bonussystem berücksichtigt werden, so die Überlegung der Kultusminister. Ebenfalls berücksichtigt werden könnten während der Wartezeit erworbene Qualifikationen und Kompetenzen in einer weiteren Quote. Die Wartequote selbst soll durch eine Talentquote ersetzt werden, die andere Qualifikationen als die Abiturnote berücksichtigt. Der eigene Lebenslauf, persönliches Engagement, versteckte Talente könnten hierbei eine Rolle spielen, sagt Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, die die KMK-Arbeitsgruppe leitet. Weiter sollen mindestens 20 Prozent der Studienplätze an die Abiturbesten vergeben werden. Die übrigen Bewerber werden wie zuvor über Auswahlverfahren der Universitäten zugelassen. Kriterien sollen neben der Abiturnote künftig Medizinertest, Auswahlgespräche, Motivationsschreiben oder erworbene Kompetenzen sein. Aus technischen Gründen werden in einer Übergangsphase keine aufwändigeren Auswahlverfahren an den einzelnen Standorten möglich sein.
„Der Wegfall der Wartezeitquote macht das Vergabeverfahren deutlich fairer und transparenter“, kommentieren der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland den KMK-Beschluss. Alle Auswahlkriterien müssten miteinander verknüpft werden, nur so ließen sich ein breites Bewerberprofil und ein Studienerfolg sicherstellen. Im Staatsvertrag seien umfangreiche Freiräume für eignungsrelevante und transparente Auswahlverfahren der Hochschulen eindeutig festzulegen, so MFT-Generalsekretär Frank Wissing.
Die Reform des Zugangs zum Medizinstudium per Staatsvertrag war notwendig geworden, da das Bundesverfassungsgerichts kürzlich in einem Urteil die Zulassung für teilweise verfassungswidrig erklärt hat. Es besteht akuter Handlungsbedarf, da nach Vorgabe des Gerichts der Studienzugang bis spätestens Anfang 2020 reformiert sein muss.
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