10.12.2018

21 Milliarden Euro: Kassen verzeichnen Rekordreserve

Berlin – Die Krankenkassen brechen erneut Rekorde: Im ersten bis dritten Quartal 2018 erwirtschaften sie einen Überschuss von 1,86 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie im ersten Halbjahr (720 Millionen Euro). Damit wachsen die Rücklagen auf 21 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 1,1 Monatsausgaben und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve, teilt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit.

„Es war richtig, die Krankenkassen zum Abbau ihrer Rücklagen zu zwingen. Denn es gibt keinen Grund, warum sie Beitragsgelder weiter horten“, kommentiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
Einnahmen in Höhe von rund 180,6 Milliarden Euro stehen Ausgaben von rund 178,7 Milliarden Euro gegenüber. Das bedeutet ein Einnahmeplus von 3,4 Prozent. Spitzenreiter sind die AOKen mit einem Überschuss von circa 920 Millionen Euro.
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung steigen unterdurchschnittlich um 2,9 Prozent. Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung wachsen die Ausgaben um rund 2,7 Prozent. Erhebliche Zuwächse verbuchen die Hochschulambulanzen, deren Vergütungen um rund 20 Prozent gestiegen sind. Deutlich überproportional, um zehn Prozent, steigen die Ausgaben für Heilmittel. Der Zuwachs bei Hilfsmitteln beträgt 4,9 Prozent, bei Arzneimittelausgaben 3,5 Prozent.
Der Gesundheitsfonds mit einer Liquiditätsreserve von rund 9,1 Milliarden Euro verzeichnet einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 3,26 Milliarden Euro.

Im dicken Finanzpolster „sind Mittel enthalten, die die Krankenkassen mit der Verweigerung der Rechnungsbegleichung den Krankenhäusern entziehen“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft Georg Baum. Dass Spahn die Kassen an den Pranger stellt, findet Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik der Bundestags-Grünen, dagegen unangemessen. Der Minister müsse nun die Reform des Risikostrukturausgleichs angehen. Achim Kessler, Sprecher der Links-Fraktion für Gesundheitsökonomie, fordert eine Entlastung der Versicherten: „Was spricht denn gegen die vollständige Erstattung von Arzneimitteln, Zahnersatz oder Brillen?“
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