23.11.2017

Versorgungshürden in der Herzmedizin

Berlin – Kardiologen und MedTech-Unternehmen kritisieren auf der Konferenz „Fortschritt erLeben“ des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) Versorgungshürden in der Herzmedizin. Die Verfahren zur Aufnahme in den ambulanten Leistungskatalog würden ebenso wie die Nutzenbewertungsverfahren zu lange dauern und seien intransparent.

Versorgungshürden in der HerzmedizinZudem erschwere die Gutachtenpraxis des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS/MDK) eine Versorgung der Patienten nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, so die Expertenkritik auf der BVMed-Veranstaltung. Die MedTech-Unternehmen fordern, aufgrund überlanger Verfahren im Bewertungsausschuss Fristen und Verfahrenswege gesetzlich zu regeln. Zudem sollten MDS-Gutachtenleitfäden zwingend mit den medizinischen Fachgesellschaften abgestimmt werden, um den Ärzten eine leitliniengerechte Medizin zu ermöglichen.
Dr. Volker Leonhardt, Ärztlicher Leiter des Herzschrittmacher- und ICD-Zentrums und der Zentrale für Telemedizin in Berlin, stellt die Ergebnisse der Telekardiologie mit Implantaten aus der Praxis vor. Sein Zentrum betreibt telemedizinische Nachsorge bei mehr als 1.200 Patienten mit Herzschrittmachern, CRT-Geräten, implantierten Defibrillatoren oder Ereignisrekordern. Er bezeichnet die Telekardiologie als hocheffektives Instrument zur Nachsorge und Überwachung der Patienten. Vorteil sei die zeitnahe Verifizierung von Fehlfunktionen, Herzrhythmusstörungen und sonstigen kardialen Befunden. Alle Behandlungsrelevanten Informationen seien verfügbar „wo und wann immer sie gebraucht werden“, so Leonhardt. Telekardiologie funktioniere dabei nicht nur bei ICD- und CRT-Trägern, sondern auch bei Herzschrittmachern sehr gut. Dadurch könne beispielsweise der Schlaganfall als Folge des Vorhofflimmerns verhindert werden.
Vorgaben der Politik zur Förderung der Telemedizin seien eindeutig. Die verfügbaren Telemedizin-Systeme arbeiteten optimal. Die Studienlage sei überzeugend, sodass die Telekardiologie auch in die europäische Leitlinie mit dem höchsten Evidenzlevel aufgenommen wurde. „Dennoch ist die Kostenübernahmesituation nach wie vor unbefriedigend“, kritisiert der Telekardiologie-Experte.
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