24.09.2015

Telemedizin könnte dermatologische Versorgung verbessern

Berlin – Dermatologische Praxen und Kliniken verzeichnen in Deutschland jährlich rund 18 Millionen Patientenkontakte. Das ist doppelt so viel wie im EU-Mittel. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) wollen auf technische Hilfsmittel setzen, zeigt ein Positionspapier zur Telemedizin in der Dermatologie.

Der demographische Wandel, die drohende Unterversorgung in strukturschwachen Gebieten, intensivierte Kooperationen mit hausärztlich tätigen Ärzten und medizinischen Assistenzberufen machten „neue Konzepte in der dermatologischen Versorgung erforderlich“, heißt es in dem Dokument.
Das Papier fasst die Anforderungen von DGG und BVDD an die Qualität und die Rahmenbedingungen der Telemedizin in der ambulanten Versorgung Hautkranker zusammen. Viele Patientenkontakte könnten zum Beispiel bei korrekter Auswahl durch den behandelnden Dermatologen ohne Qualitätsverlust im Rahmen einer Videokonsultation erbracht werden, betont BVDD-Präsident Dr. Klaus Strömer. Diese Innovation sei geeignet, die dermatologische Versorgung – auch in unterversorgten Gebieten – zu verbessern, Hausbesuche zu verringern sowie Ressourcen zu sparen. Für Patienten könne sie zudem Wartezeiten reduzieren. Zunächst könnten nach Aussagen der Verbände Bagatellerkrankungen der Haut, häufige Krankheitsbilder, chronische Dermatosen und deren Verläufe im Brennpunkt der teledermatologischen Bemühungen stehen. Änderungen der Medikation, postoperative Verläufe, Wundheilung, Überprüfung des therapeutischen Erfolgs, Hilfe zur Selbstmedikation, Maßnahmen zur Patientenschulung und Erhöhung der Therapietreue böten weitere Ansatzpunkte.
Primäre Adressaten für telemedizinische Konsultationen sind laut DGG und BVDD Personen, die bereits moderne Kommunikationstechnologien nutzen und für neue Entwicklungen aufgeschlossen sind. Investitionszuschüsse oder Abrechnungsmöglichkeiten in der Gebührenordnung sind nach Ansicht der Dermatologen erforderlich. Sie wünschen sich auch eine gesetzliche Klarstellung, welche telemedizinischen Leistungen explizit erlaubt sind. Kritisch stehen die Organisationen einer telemedizinischen Erstuntersuchung gegenüber, wenn sie nicht in Form eines ärztlichen Konsils erfolgt.
In Deutschland werden laut BVDD und DDG derzeit rund 1,5 Millionen Patienten mit chronischen Wunden, 800.000 mit Urtikaria, etwa 2 Millionen mit Neurodermitis, weitere 2 Millionen Psoriasiskranke, 1 Million mit dermatologischen Autoimmunerkrankungen und 500.000 Patienten mit Ichtyhose versorgt.
Bei insgesamt über 2.000 Hauterkrankungen besteht derzeit Behandlungsbedarf. Betroffen ist insgesamt ein Viertel Bevölkerung.
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