21.08.2018

Steht der Patient bei der Nutzenbewertung im Mittelpunkt?

Berlin – Kann die derzeitige Nutzenbewertung Innovationen in das Gesundheitssystem bringen – ohne den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen? Diese Frage diskutieren kürzlich rund 80 Experten auf einer Veranstaltung der Hochschule Neubrandenburg und der B. Braun-Stiftung.

Steht der Patient bei der Nutzenbewertung im Mittelpunkt?Der Titel der Plenumsveranstaltung lautet: „Von der Innovation zur Regelversorgung: Nutzenbewertung und Entscheidungsfindung“. Ein wichtiges Thema sind dort Patientenpräferenzen. Deren Sinnhaftigkeit erkennt PD Dr. Stefan Sauerland, Ressortleiter nichtmedikamentöse Verfahren am Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, an. Allerdings hält er sie nicht immer für notwendig, da die Datenlage der klinischen Studien oft eindeutig sei.
Andere Referenten hinterfragen diese Position. Ein Argument ist die Heterogenität der Präferenzen: Für junge Patienten könnten andere Endpunkte und Werturteile eine Rolle spielen als für ältere Patienten. Statt die Patientensicht durch einige wenige Patientenvertreter einzubringen, sollte sie eher mit qualitativen und quantitativen Studien zu spezifischen Fragestellungen dokumentiert werden, heißt es auf der Veranstaltung. Der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Axel Mühlbacher, Hochschule Neubrandenburg, propagiert eine dynamische Evidenzgenerierung beziehungsweise adaptive Nutzenbewertung, bei der strukturiert klinische Evidenz und Evidenz zu Patientenpräferenzen erhoben werden. Um Innovationen schnell ins System zu bringen, sei es erforderlich, die Evidenz – und damit das Wissen um den Nutzen – stetig durch neue Studienergebnisse zu erweitern. Optional diskutiert wird eine Kombination aus früher Nutzenbewertung mit bedingter Zulassung und einer fortlaufenden Evidenzgenerierung etwa durch Register. So könnten Innovationen schneller bei Patienten ankommen.
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