16.09.2020

Spezielle Verbandmittel fallen aus Erstattung

Berlin – Verbandmittel ist nicht gleich Verbandmittel. Das macht der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einem aktuellen Beschluss deutlich. Die klassischen Verbandmittel bleiben weiterhin erstattungsfähig. Anders sieht es bei Produkten zur Wundbehandlung aus, die durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkweise aktiv Einfluss auf die Wundheilung nehmen können.

Spezielle Verbandmittel fallen aus Erstattung„Produkte, die eine eigenständige therapeutische Wirkung entfalten, müssen zukünftig vom G-BA auf ihren medizinischen Nutzen hin überprüft werden. Nur wenn sie der Wundheilung nachweislich nutzen, können sie verordnet werden“, stellt Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Arzneimittel klar. Der G-BA komme damit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) nach. Bis zwölf Monate nach dem Inkrafttreten des Beschlusses allerdings hätten Versicherte weiterhin Anspruch auf Versorgung mit diesen Artikeln.

Nach Auffassung des G-BA können zu den erstattungsfähigen Verbandmitteln allerdings Produkte mit ergänzenden Eigenschaften gezählt werden, die die natürliche Wundheilung unterstützen, indem sie die Wunde beispielsweise feucht halten.

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) kritisiert den Beschluss. „Wir warnen ausdrücklich vor den Nachteilen für Patienten mit akuten und chronischen Wunden“, sagt sein Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. So könnten bestimmte antimikrobielle Verbandmittel, die insbesondere für komplexe und infizierte Wunden genutzt werden, aus der Erstattung fallen, wenn nicht ein gesonderter Nutzennachweis über aufwendige Studien erbracht wird. Möll: „Die getroffene Regelung ist weder praxistauglich noch können wissenschaftliche Belege für eine solche Abgrenzung erbracht werden.“
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