23.07.2013

Rückenmarksstimulator gegen fortgeschrittene Herzschwäche

Herne – Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Form der Herzinsuffizienz, auch als Herzschwäche bekannt. Eine Behandlung war bisher durch Medikamente und – nur für einen sehr geringen Teil der Patienten – mit Herz-Schrittmachern möglich. Neu ist der Einsatz eines Rückenmarksstimulators, den Spezialisten des Marienhospitals Herne jetzt erstmalig in Deutschland implantierten.

Rückenmarksstimulator gegen fortgeschrittene HerzschwächeEtwa die Größe einer Stoppuhr hat der Implantierbare Neuro-Stimulator (INS). Mit einer Elektrode verbunden bildet er den Rückenmarksstimulator, der derzeit an weltweit 30 Herz-Zentren mit nur 70 Probanden getestet wird. Auch das Marienhospital gehört zu den hochspezialisierten Zentren, die an der weltweiten Studie mitwirken. „Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob sich eine schwere Herzschwäche durch leichte elektrische Signale ans Rückenmark verbessern lässt“, so Prof. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II. Der Patient, ein 60-jähriger Mann mit langjähriger Herzinsuffizienz, wurde jetzt operiert.
Bisher erfolgt die Behandlung von Herzinsuffizienz vorwiegend mit Medikamenten. „Die Betroffenen erfahren durch die Medikamente eine Verbesserung. Trotzdem liegt das Sterberisiko bei Patienten mit leichter Herzschwäche bei 5-10 Prozent, bei schwerer Insuffizienz sogar bei 30-40 Prozent pro Jahr“, erläutert Dr. Magnus Prull, Oberarzt an der Medizinischen Klinik. Kombiniert mit dem Einsatz von Herz-Schrittmachern, die in der Nähe des Herzens implantiert werden, zeigten sich im Rahmen einer Resynchronisationstherapie bereits gute Ergebnisse: eine Abnahme der Sterblichkeit, Zunahme der Lebensqualität und eine Rückentwicklung des vergrößerten Herzmuskels. Der Nachteil: Der Einsatz eines Herz-Schrittmachers ist nur bei einem sehr geringen Anteil der Betroffenen möglich, da ihr Krankheitsbild zahlreichen engen Kriterien entsprechen muss. Leider komme es in seltenen Fällen auch vor, dass es Patienten trotz Herz-Schrittmacher nicht besser gehe. Die Stimulation des Herzens über das Rückenmark könne eine echte Alternative darstellen, die bei viel mehr Patienten anwendbar ist, so die Experten. Der operierte Patient war bereits wenige Stunden nach dem Eingriff wieder auf den Beinen. Bis zu vier Jahre werden seine Werte im Rahmen der Studie nachkontrolliert. „Wir sind sehr zufrieden mit der Operation. Der Stimulator ist bereits für die Behandlung anderer Herz-Erkrankungen zugelassen. Den behandelten Patienten ging es deutlich besser“, berichtet Dr. Luc Claeys, leitender Arzt der Abteilung Gefäßchirurgie. „Die Herzschwäche konnte in einigen Fällen gänzlich behoben oder der Verlauf verlangsamt werden. Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte wurde weniger.“ Dieser Ansatz könne für die Therapie der Herzschwäche ein großer Schritt sein.
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