12.07.2019

Rollstuhl mit Gedanken steuern

Bochum – Einen Rollstuhl mit der Kraft der Gedanken steuern. Das testet eine Forschergruppe am Bochumer Uniklinikum Bergmannsheil. Die Wissenschaftler setzen dabei ein Brain-Computer-Interface (BCI) ein, informiert die Uniklinik.

Rollstuhl mit Gedanken steuernWas derzeit ein internationales Forscherteam der Technischen Hochschule Lausanne am Bochumer Berufsgenossenschaftlichen Uniklinikum Bergmannsheil testet, könnte querschnittsgelähmten Menschen künftig mehr Mobilität ermöglichen. Die Forscher nutzen ein Brain-Computer-Interface (BCI): Diese Gehirn-Computer-Schnittstelle ist ein System, das die elektrischen Gehirnimpulse des Fahrers erfasst und sie in Steuerungsbefehle für einen Elektrorollstuhl übersetzt. Die ersten Patienten haben der Klinik zufolge das Training mit dem BCI-System absolviert und einen Parcours mit Richtungswechseln und Hindernissen befahren.
Damit die Schnittstelle die Gehirnimpulse übersetzen kann, sind einige Schritte notwendig: Dem Patienten wird eine Enzephalographie-Haube (EEG) auf den Kopf gesetzt, die seine elektrische Hirnaktivität misst. Das BCI-System erfasst erst die Signale im Ruhezustand und dann, wenn sich der Patient Bewegungen etwa der Hände oder Füße vorstellt. Das System gleicht beides miteinander ab und „lernt“, die vorgestellte Bewegung zu erfassen und in einen Steuerungsbefehl zu übersetzen. Anschließend trainieren Mensch und Maschine, welcher Impuls mit welcher Bewegungsidee verknüpft ist. Wenn sich der Patient vorstellt, er bewege seine Hände, fährt der Rollstuhl nach rechts. Das Gefährt ist mit Infrarot-Kamera und Laserscanner ausgestattet, so dass der Rollstuhl die Umgebung samt Hindernissen erkennt.
Derzeit sei das Projekt reine Grundlagenforschung, erklärt Prof. Ramón Martínez-Olivera vom Klinikum Bergmannsheil. „In Zukunft könnten querschnittgelähmte Menschen, die weder Beine noch Arme bewegen können, mit einem solchen System ein großes Stück Selbstbestimmung und Mobilität zurückgewinnen“, erklärt er.
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