09.06.2016

Neues Assistenzsystem für minimalinvasive Cochlea-Implantate

Hannover – Dr. Jan-Philipp Kobler hat ein neues Assistenzsystem für die minimalinvasive Cochlea-Implantat-Chirurgie entwickelt und wurde jetzt dafür ausgezeichnet. Mit einem Cochlea-Implantat können viele Patienten, die taub sind oder im Laufe ihres Lebens hochgradig schwerhörig geworden sind, wieder hören.

Der Eingriff erfordert höchste Genauigkeit, da der Schädel des Patienten im Bereich des Felsenbeins geöffnet und ein kleiner Elektrodenträger mit bis zu 22 Elektroden in die Hörschnecke eingebracht werden muss. Dr. Jan-Philipp Kobler beschäftigte sich in seiner Dissertation am Institut für Mechatronische Systeme an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema. Er entwickelte ein mechatronisches System, mit dem das hochgenaue Anlegen eines minimalinvasiven Bohrkanals zur Cochlea und das Einführen des Elektrodenträgers durch diesen Zugang unterstützt werden. Dafür zeichnete ihn die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE|DGBMT) und die Stiftung Familie Klee jetzt mit dem Klee-Preis für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten aus.
Für die minimalinvasive Cochlea-Implantat-Chirurgie entschied sich Kobler für einen knochenfixierten, rekonfigurierbaren, parallelkinematischen Roboter. Dieser wird am Schädel verankert und stellt eine patientenindividuell einstellbare Führung für chirurgische Werkzeuge bereit. Um das System zu optimieren nutzte er Simulationen, bei denen die klinischen Anforderungen an die Kinematik, die Genauigkeit und die Sterilisierbarkeit eine wichtige Rolle spielten. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Chirurgen der Medizinischen Hochschule Hannover realisierte und evaluierte Kobler das System. Sie führten Bohrversuche an Schädeln durch und bewerteten die Genauigkeit und Praxistauglichkeit. Für das Einbringen des Elektrodenträgers entwarf der Preisträger ein Insertionswerkzeug, das in Experimenten sorgfältig getestet wurde. Hierbei stand die hochgenaue Messung der beim Einbringen auftretenden Insertionskraft zur Schonung sensibler Strukturen im Inneren der Cochlea im Vordergrund.
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