18.12.2013

Neue Untersuchung erkennt drohenden Herzinfarkt

Berlin – Eine neue nuklearmedizinische Untersuchung kann gefährliche Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen aufspüren, die einen Herzinfarkt auslösen können. Das in der Fachzeitschrift „The Lancet“ vorgestellte Verfahren stellt die erste schonende Methode dar, um Hochrisiko-Patienten zu identifizieren.

Neue Untersuchung erkennt drohenden HerzinfarktDie Untersuchung könnte nach Einschätzung des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner (BDN) Voraussetzungen schaffen, einen drohenden Herzinfarkt frühzeitig zu erkennen und durch gezielte medikamentöse Behandlung abzuwenden. „Für den Patienten ist der Herzinfarkt ein akutes Ereignis, doch die zugrunde liegende Koronare Herzkrankheit nimmt meist schon viele Jahre vorher ihren Anfang“, erläutert Prof. Dr. Detlef Moka, 1. Vorsitzender des BDN.
Die Grundursache für Herzinfarkte ist die Gefäßverkalkung. Ein ungesunder Lebensstil und erbliche Vorbelastung führen dazu, dass sich in den Blutgefäßen Cholesterin und Fette einlagern. Diese Ablagerungen (Plaques) engen die Herzkranzgefäße zunehmend ein. Gefährlich wird es, wenn die Plaques Kalk einlagern und gewissermaßen verknöchern. Denn spitze Kalkablagerungen können die feine Innenhaut der Gefäße anritzen. Dann bildet sich ein Blutpfropf, der innerhalb von Minuten das Kranzgefäß verstopft. Der Herzmuskel ist von der Blutversorgung abgeschnitten – es kommt zum Infarkt.

Wie funktioniert die Methode?

Nuklearmediziner aus Schottland haben eine Möglichkeit gefunden, wie die Plaques mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sichtbar gemacht werden können. Für die Untersuchung spritzten die Ärzte eine schwach radioaktiv markierte Substanz, den sogenannten Tracer, in die Venen der Patienten. Nach kurzer Zeit erreicht der Tracer die Herzkranzgefäße, wo er vorübergehend an den Plaques hängenbleibt. „Die schwache radioaktive Strahlung ermöglicht es dem PET-Gerät, die gefährlichen Plaques genau zu orten“, so Moka.
Die Gruppe um Nikhil Joshi vom Forschungszentrum der British Heart Foundation in Edinburgh konnte so Plaques zunächst bei 37 von 40 Patienten nachweisen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. Später machten die Forscher Plaques auch bei 18 von 40 Patienten mit Angina pectoris, auch unter „Brustenge“ bekannt, sichtbar. In beiden Gruppen wurde durch eine Herzkatheteruntersuchung bestätigt, dass sich an den im PET angezeigten Stellen tatsächlich eine Plaque befindet. In Laborexperimenten konnte Joshi schließlich belegen, dass die Tracer bevorzugt an fortgeschrittenen Hochrisiko-Plaques binden. „Die Untersuchung zeigt deutlich, ob ein Herzinfarkt bevorsteht“, sagt Moka. Bevor es jedoch Sinn mache, die Untersuchung für Patienten mit Herzbeschwerden einzuführen, seien weitere Studien notwendig z.B. dazu, ob und welche vorbeugende Behandlung einen Herzinfarkt verhindern kann. Dies könnte durch den Einsatz von Cholesterinsenkern geschehen, die eine weitere Einlagerung von Fetten verhindern, oder durch Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen.
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