15.06.2018

Neue telemedizinische Bewegungstherapie entwickelt

Berlin – Im Projekt „ReMove-It“ hat die Fraunhofer-Gesellschaft mit Partnern eine telemedizinische Bewegungstherapie entwickelt, die Patienten erlaubt, die Reha zeitlich flexibler zu organisieren. Ihre Wirksamkeit wurde bereits in einer repräsentativen Studie nachgewiesen. Bis 2019 soll sie als Medizinprodukt zugelassen werden.

Künstliche Hüft- und Kniegelenke seien in Deutschland der häufigste Grund für Reha-Maßnahmen. Um sich schnell wieder normal bewegen zu können, müssten die Patienten an einer ausgedehnten stationären Rehabilitation teilnehmen. In strukturschwachen Regionen stünden jedoch oft nicht ausreichend Angebote zur Verfügung, sagt Dr. Michael John vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS. Gleichzeitig würden gebuchte Gesundheitsprogramme nicht wahrgenommen, weil Termine mit Arbeitszeiten kollidierten oder die Anfahrtswege zu lang seien. „Internetbasierte telemedizinische Angebote können hier eine sinnvolle Ergänzung sein“, so John.

Kern der telemedizinisch gestützten Bewegungstherapie sind Videos, auf denen der Therapeut die verschriebenen Übungen ausführt und der Patient diese vor dem Bildschirm nachahmt. Die Videos hat der jeweilige Therapeut selbst eingespielt, sie sind auf jeden Patienten individuell zugeschnitten. Noch während der Bewegungsausführung erhält der Patient Korrekturhinweise, falls sie nicht den medizinischen Vorgaben entsprechen. Nachdem er die Übung absolviert hat, gibt es eine Rückmeldung zur ausgeführten Qualität in Form von Rot- und Grün-Markierungen, die den einzelnen Körperbereichen Oberkörper, Arme und Beine zugeordnet sind. Im Anschluss an die Therapiesitzung bekommt das medizinische Personal in der Klinik die während des Übungsablaufs dokumentierten Bewegungsdaten via Internet zugesandt. Der betreuende Arzt und Therapeut hätten dadurch einen Überblick über Leistungsstand und Entwicklung des Patienten, könnten den Therapieplan optimal an den Therapiefortschritt anpassen, heißt es. Mithilfe von Text-, Audio- und Videonachrichten bleiben behandelnder Arzt, Therapeut sowie Patient kontinuierlich miteinander in Kontakt. Patienten müssen dafür eine kleine 3-D-Kamera mit Internetzugang und die entsprechende Software erwerben sowie über einen handelsüblichen TV-Bildschirm verfügen. Vorab werden sie durch Therapeuten in die Benutzung des Systems eingeführt.
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