23.11.2015

Medizintechnik: Branche unter Druck, dennoch neue Arbeitsplätze

Berlin – Die Medizintechnik-Branche in Deutschland steht nach wie vor unter Druck, schafft aber weiter neue Jobs. So lassen sich zwei Ergebnisse der Herbstumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) zusammenfassen, an der sich 90 Unternehmen beteiligt haben. Kritisch beurteilen sie das Innovationsklima.

Medizintechnik: Branche unter Druck, dennoch neue ArbeitsplätzeZwar erwarten die Unternehmen durch Mengensteigerungen und neue Behandlungsmethoden im deutschen Markt im Jahr 2015 ein Umsatzwachstum von 4,3 Prozent, berichtet BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt. „Die Gewinnsituation ist dagegen weiter rückläufig, die Margen sinken.“ Dies liege vor allem am zunehmenden Preisdruck durch Einkaufsbündelungen im Krankenhausbereich und Ausschreibungen bei Hilfsmitteln.
Gefragt wurde auch nach dem Innovationsklima in Deutschland. Auf einer Zehner-Skala bewerten dies die Unternehmen mit 4,9. Der Index 2015 habe sich laut BVMed damit gegenüber dem Vorjahr nicht verändert, nachdem er zuvor um 1,3 Punkte gefallen war. Bemängelt werden Schmitt zufolge innovationsfeindlich eingestellte Krankenkassen, bürokratische Prozesse, niedrige Erstattungspreise und die Unsicherheiten über die künftige Nutzenbewertung von Medizinprodukten.
Bei den gesundheitspolitischen Forderungen stehen die Hilfsmittel an vorderster Stelle. Jeweils 34 Prozent der Unternehmen sprechen sich für die Wahlfreiheit des Hilfsmittel-Leistungserbringers für den Patienten sowie für Verhandlungsverträge statt Ausschreibungen aus. 33 Prozent der Unternehmen fordern, dass die Industrie stärker in die Prozesse beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) einbezogen wird, 31 Prozent wollen beschleunigte Erstattungsentscheidungen beim G-BA. Als innovativsten Forschungsbereich schätzen die Unternehmen wie im Vorjahr die Kardiologie ein. Es folgen Onkologie, Neurologie, Diagnostik, Orthopädie und Chirurgie.
Trotz der schwierigeren Inlandssituation sorgt die Medizintechnik in Deutschland nach wie vor für zusätzliche Jobs, so ein weiteres Ergebnis. 51 Prozent der Unternehmen haben mehr Arbeitsplätze geschaffen, nur 11 Prozent Jobs abgebaut. Die Berufsaussichten für Nachwuchskräfte bewerten 97 Prozent als sehr gut oder gut. Gesucht werden vor allem Ingenieure und Medizintechniker.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beschäftigt die MedTech-Branche insgesamt über 195.000 Menschen – und damit mehr als die Pharmaindustrie. Jeder Arbeitsplatz sichert zudem 0,75 Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Die deutschen MedTech-Unternehmen wachsen insbesondere auf ausländischen Märkten. Die Exportquote liegt bei aktuell 68 Prozent.
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