16.01.2020

Kamerapille für die Magenspiegelung

Berlin – Eine Magenspiegelung ohne Schlauchschlucken wollen Forscher ermöglichen – und zwar mit einer kleinen Kamerapille.

Vollkommen schlauchlos soll die neue Technologie sein, an der das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) zusammen mit zwei Partnern im Rahmen des Projekts „nuEndo“ arbeitet. Ziel ist eine Endoskopiekapsel, mit der die diagnostische Magenspiegelung mit flexiblen Endoskopen durch ein kabelloses Verfahren ersetzt werden soll. Die Kapsel kann mithilfe eines externen magnetischen Führungssystems intuitiv durch den Magen geführt werden und sendet via eingebauter Sensorik ein Echtzeit-Bild des Mageninneren auf einen Monitor.
Anders als die schlauchgesteuerte Magenspiegelung kann die Kapselendoskopie vom hausärztlichen Fachpersonal ohne Narkose durchgeführt werden. Nachdem Betroffene die Kapsel geschluckt haben, dauert es circa 20 Sekunden, bis sie im Magen ankommt und die Untersuchung starten kann. Für einige Erkrankungen ist es nötig, anschließend dennoch eine schlauchendoskopische Untersuchung durchzuführen, da diese höher aufgelöste Bilder liefert. Mit der Kapselendoskopie können allerdings ohne lange Wartezeiten erste Diagnosen gestellt werden.
Prof. Jörg Albert, Chefarzt am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und assoziierter klinischer Partner des nuEndo-Projektes, erläutert: „Durch dieses nichtinvasive und schmerzfreie Verfahren wird eine diagnostische Magenspiegelung schon bei geringerem Leidensdruck für Patienten akzeptabel, da diese nur eine kleine Kapsel schlucken müssen und dann entspannt an der Untersuchung teilnehmen können. Somit bietet das nuEndo-System die Möglichkeit, viele Erkrankungen früher als bisher zu erkennen, Beschwerden effektiv zu behandeln und den Therapieverlauf besser zu überwachen.“
Verbundkoordinator des Projektes ist Ovesco Endoscopy. Weitere Partner sind das Robert-Bosch-Krankenhaus und SENSODRIVE. Das Projekt wird mit knapp 1,7 Millionen Euro als KMU-innovatives Forschungsprojekt durch das Bundesforschungsministerium gefördert und läuft bis 2022.
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