19.03.2018

Hirnschrittmacher hilft Parkinsonkranken

Marburg – Parkinsonkranke können laut neuesten Studienergebnissen ihre Impulse besser kontrollieren, wenn die Therapie eine Hirnstimulation umfasst und nicht nur auf eine reine Medikamentenverabreichung beschränkt ist.

Hirnschrittmacher hilft ParkinsonkrankenDurch moderne Arzneimittel seien die Symptome zwar oftmals gut zu behandeln, allerdings bewirkten diese nicht selten Verhaltensstörungen wie Spielsucht, gesteigerte Lust auf Sex, Fressattacken oder krankhaften Kaufrausch gerade bei jungen Patienten, erläutert der Neurologe Prof. Lars Timmermann von der Philipps-Universität Marburg, der dem Steuerungskomitee für die Studie angehört.
Bei der in der Studie betrachteten Therapie der Hirnstimulation pflanzt man dem Patienten dünne Elektroden ins Gehirn ein. Sie geben elektrische Impulse an die Zielregion ab, die dadurch deaktiviert oder stimuliert wird, je nach Stromfrequenz. Ein solcher Hirnschrittmacher erlaube es, die Medikamentenverabreichung erheblich zu reduzieren. „Wir wollten herausfinden, ob die tiefe Hirnstimulation auch Verhaltensstörungen verringert“, sagt Koautorin Carmen Schade-Brittinger, die das Koordinierungszentrum für Klinische Studien der Philipps-Universität Marburg leitet.
Schon vor fünf Jahren berichtete das Team der „EARLYSTIM“-Studie, dass sich die Lebensqualität von Parkinsonpatienten verbessert, wenn sie zusätzlich zu Medikamenten frühzeitig Hirnstimulationen erhielten. Die Forscher nahmen sich die Daten erneut vor. Um die Verhaltensänderungen der Patienten zu messen, griffen sie auf einen neu entwickelten psychiatrischen Bewertungsmaßstab zurück, den „Ardouin Scale of Behavior in Parkinson’s Disease“. Verhaltensauffälligkeiten der Patienten verringerten sich demnach, ohne dass diese vermehrt Verhalten wie etwa Apathie, Depression oder Ängstlichkeit zeigten.
„Unsere Befunde erlauben einen Kurswechsel in der Behandlung“, schlussfolgert Timmermann. Während bislang jede Form von Verhaltensstörung als Hindernis für chirurgische Eingriffe gegolten habe, sollte ein Kontrollverlust eher dazu führen, Parkinsonpatienten eine Tiefenstimulation angedeihen zu lassen.
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