18.11.2020

Helm soll Folgen des Schlaganfalls lindern

Tübingen – Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen – ein Schlaganfall kann gravierende Auswirkungen haben. Forschende entwickeln derzeit einen Helm mit integrierten Magnetspulen, die durch die intakte Schädeldecke hindurch die Aktivität der Großhirnrinde beeinflussen und so dabei helfen sollen, die Folgen eines Schlaganfalls zu lindern.

Helm soll Folgen des Schlaganfalls lindernDie Auswirkung eines Schlaganfalls variiert, je nachdem in welchem Bereich das Gehirn geschädigt wird. „Diese Ausfälle lassen sich als Netzwerkerkrankung verstehen, die sich nicht nur am Ort der Schädigung bemerkbar macht, sondern in allen Gehirnregionen, die damit in Verbindung stehen“, sagt Prof. Ulf Ziemann, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie am Universitätsklinikum Tübingen. Daraus ergebe sich die Herausforderung, teilweise weit voneinander entfernte Gehirnbereiche in eine mögliche Stimulationstherapie einzubeziehen, um so ihre Verbindungen zu beeinflussen und Reorganisationsprozesse zu unterstützen.

Der Helm, der im Rahmen des Projektes ConnectToBrain entwickelt wird, soll bis zu 50 Magnetspulen enthalten, deren überlappende Felder die gesamte Großhirnrinde abdecken. „Damit kann gezielt, schmerzfrei und nichtinvasiv jeder Ort der Großhirnrinde stimuliert werden“, so Ziemann. Eine weitere Besonderheit ist der Closed-Loop-Ansatz: Die Stimulation findet nicht nach einem festgelegten Protokoll statt, sondern berücksichtigt die aktuelle neuronale Aktivität. „In Studien konnten wir zeigen, dass der therapeutische Effekt der Stimulation größer ist, wenn eine Netzwerkverbindung ohnehin schon aktiv ist“, erläutert Ziemann. Um den besten Zeitpunkt für die Stimulation zu finden, nutzt das Team Elektroenzephalografie (EEG), mit der die Gehirnzustände in Echtzeit ausgelesen werden können. Auch andere Hirnnetzwerkerkrankungen wie Alzheimer oder Depressionen, so hoffen die Forschenden, könnten sich über den neu entwickelten Helm positiv beeinflussen lassen. Das Projekt wird noch bis 2025 vom Europäischen Forschungsrat gefördert, bis dahin soll der Helm marktreif sein.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter