10.12.2018

Frühchen mit Lungenerkrankungen schonend behandeln

Hannover – Die Inhalationssysteme für Frühchen, die vor Abschluss der Lungenreife auf die Welt kommen, seien nicht auf deren Bedürfnisse angepasst, erklären Forscher des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM). Das wollen sie ändern und stellen ein System vor, mit dem sich Medikamente effizient und atemgetriggert verabreichen lassen.

Zu früh geborene Babys ohne Abschluss der Lungenreife leiden oftmals an einem Mangel an Surfactant – einer Substanz, die zur Entfaltung der Lunge benötigt wird. Zudem sind sie besonders anfällig für Erkrankungen des Atemorgans, die inhalativ behandelt werden müssen, wie das Fraunhofer-Institut informiert.

Speziell an die Bedürfnisse von Neu- und Frühgeborenen angepasste Inhalationssysteme seien jedoch nicht verfügbar, Technologien aufgrund der spezifischen Atemeigenschaften der Babys sehr anspruchsvoll, heißt es vom Fraunhofer Institut. Die derzeitige kontinuierliche Zufuhr der Aerosole – also der Arzneimittel in Partikelform – in den Atemstrom sei nicht effizient, sagt Dr. Gerhard Pohlmann, Leiter des Bereichs „Translationale Medizintechnik“ am ITEM. Die Forscher entwickeln deshalb mit dem Projekt FLEXMAX ein neues Inhalationssystem, das eine effiziente und schonende inhalative Therapie von Frühgeborenen ermöglicht. Damit soll eine kürzere Therapiedauer realisiert werden, die die kleinen Körper weniger belaste. Außerdem lasse sich die Wirkstoffmenge reduzieren.

Das System setzte auf eine atemgetriggerte Zugabe direkt am Patienten, indem das Aerosol dem Frühchen direkt an der Nase und ausschließlich beim Einatmen verabreicht werde. In Tests mit Erwachsenen sowie in Versuchen mit Geräten, die die Atmung von Frühgeborenen simulieren, konnte eine Effizienzsteigerung von 60 Prozent gegenüber herkömmlicher Inhalationstechnologie erreicht werden. Bis zur Serienreife seien noch etwa drei bis fünf Jahre einzuplanen, prophezeit Pohlmann.
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