18.06.2015

Filme vom schlagenden Herzen

Berlin (pag) – Einen Film vom Blutfluss im schlagenden Herzen zu drehen – die neue Technik des Magnetic Particle Imaging (MPI) macht es möglich. Das Verfahren kann magnetische Eisenoxid-Nanopartikel mit hoher Empfindlichkeit und in hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung im Körper nachweisen und so zum Beispiel Herz-Kreislauf-Probleme aufspüren helfen.

An der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurde jetzt ein in Deutschland entwickeltes MPI-Gerät eingeweiht, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen einer Großgeräteinitiative mit knapp vier Millionen Euro gefördert worden ist. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ist an dem Projekt als Kooperationspartnerin beteiligt und sorgt für die messtechnische Charakterisierung der Nanopartikel.
Schon jetzt lassen sich mit dem neuen Gerät dreidimensionale Filme des Blutflusses in schlagenden Mäuseherzen in Echtzeit generieren. Das Verfahren befindet sich in der experimentellen Erprobungsphase. Wenn es ausgereift ist, könnte es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch bei Krebs schneller und empfindlicher als der Positronen-Emissions-Tomograf (PET) und die Magnetresonanztomografie (MRT) Bilder erzeugen, die zu diagnostischen Ergebnissen führen. Pathologische Veränderungen im Millimeterbereich würden dann sofort sichtbar gemacht.
Das Magnetic Particle Imaging ist eine ausgeklügelte magnetische Messtechnik. Sie empfängt Signale von Sonden, die durch den menschlichen Körper wandern: ungiftigen magnetischen Eisenoxid-Nanopartikeln, die injiziert werden und im Blutkreislauf mitschwimmen. Weil diese magnetischen „Tracer“ auf ein eingestrahltes äußeres Magnetfeld reagieren, funken sie gewissermaßen ständig ihren Standort nach außen. Ihre relativ schwachen Signale werden vom MPI-Gerät hochgenau und in Echtzeit erfasst, so dass sich der Blutfluss wie in einem Film beobachten lässt. Stauen sich die Tracer an einem Engpass am Herzen oder reichern sie sich in einem Tumor an, dann haben die Radiologen einen Hinweis auf eine ernste Erkrankung. „Vielleicht wird es schon in zehn Jahren möglich sein, gefährliche Arterienverengungen, Entzündungen, Degenerationen oder Tumore selbst bei diffusen Krankheitsbildern und Symptomen im Ganzkörperscan zu lokalisieren“, sagt Matthias Taupitz, Stellvertretender Direktor der Klinik für Radiologie am Campus Benjamin Franklin der Charité. Der Radiologe ist der Leiter der DFG-geförderten Klinischen Forschergruppe „Magnetische Eisenoxid-Nanopartikel für die Zelluläre und Molekulare MR-Bildgebung“.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter