16.10.2020

Erste DiGA gehen an den Start

Berlin – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat jetzt die ersten Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) auf Rezept in ihr DiGA-Verzeichnis aufgenommen.

Die App Kalmeda des Herstellers Mynoise ist ein leitlinienbasiertes, verhaltenstherapeutisches Übungsprogramm für Tinnituspatienten. Die Webanwendung Velibra von GAIA dient der Unterstützung von Patienten mit Angststörungen. Im DiGA-Verzeichnis werden Anwendungen gelistet, die als Medizinprodukt mit niedrigem Risiko CE-zertifiziert sind und vom zuständigen BfArM im Fast-Track-Verfahren geprüft wurden. Die Anwendungen können vom Arzt verschrieben oder bei entsprechender Diagnose direkt von der Krankenkasse erstattet werden. „Dieses Verzeichnis soll für Ärztinnen und Ärzte zum Digital-Lexikon werden. Hier finden sie, welche Apps und digitalen Anwendungen verordnet werden können“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

„Bei diesem wichtigen Projekt haben alle Beteiligten an einem Strang gezogen, damit das Verfahren schnell umgesetzt wird“, betont Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed). Einige begleitende Themen wie die Rahmenvereinbarung seien noch in Arbeit, man müsse jetzt gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband „faire und gerechte“ Preiskriterien finden.

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) begrüßt die Einführung der DiGA. „Dadurch werden sich für viele Versicherte, vor allem mit chronischen Erkrankungen, neue Behandlungsoptionen ergeben“, so Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner.

Allerdings kommt einige Tage nach Bekanntgabe heraus, dass Velibra Sicherheitsprobleme aufweist. Die IT-Experten André Zilch und Martin Tschirsich bemängeln laut „Handelsblatt“ unter anderem, dass der Zurücksetzcode bei falscher Passworteingabe 24 Stunden gültig und zu kurz sei. Das stelle ein Einfallstor für Hacker dar. Und für die Registrierung müssten Nutzer lediglich eine E-Mail-Adresse angeben. Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung sei nicht notwendig gewesen. Dem Bericht zufolge habe der Hersteller die Probleme behoben.
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