20.12.2016

„Die Dekade der Transparenz hat gerade erst begonnen“

Berlin – Durch die neuen Strafrechtsparagrafen zur Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen sind keine neuen Verbote in der Zusammenarbeit mit Ärzten, sondern lediglich neue Sanktionen hinzugekommen. Das verdeutlichte der hessische Oberstaatsanwalt Alexander Badle auf der Healthcare Compliance-Konferenz des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed).

Wichtig seien präventive Maßnahmen, um ein Ermittlungsrisiko zu minimieren. „Denn wenn man erst einmal Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren ist, ist der Schaden bereits eingetreten“, so Badle. Seine Botschaft: „Wenn Sie sich an die Branchen-Spielregeln aus dem Kodex Medizinprodukte (www.bvmed.de/kodex) als Auslegungshilfen des Gesetzes halten, haben Sie das Risiko einer strafrechtlichen Ermittlung deutlich minimiert.“ Rechtsanwalt Volker Ettwig empfiehlt, alle Kooperationsverträge auf ihre rechtliche Zulässigkeit zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des BVMed, betont die Bedeutung eines „Netzwerkes für mehr Sicherheit“ aus Compliance-Verantwortlichen. Wichtig seien Richtlinien und Dienstanweisungen für Mitarbeiter sowie regelmäßige Schulungen in den Unternehmen und den medizinischen Einrichtungen.
„Die Dekade der Transparenz hat gerade erst begonnen“, bilanziert Schmitt den gestiegenen Dokumentationsaufwand durch neue Compliance-Regelungen. Eine enge Zusammenarbeit von Industrie und medizinischen Einrichtungen sei dabei für den medizintechnischen Fortschritt sowie für die sichere Anwendung von Medizinprodukten notwendig und auch politisch erwünscht. Die Zusammenarbeit sei aber strafrechtlich zunehmend risikobehaftet. Oberstes Ziel sei daher, zu vermeiden, in Korruptionsverdacht zu geraten. Deshalb verfolge der BVMed mit der Aufklärungskampagne „MedTech Kompass“ einen positiven Informationsansatz, um die Prinzipien einer guten und transparenten Zusammenarbeit bekannter zu machen. Da die Gesetzestexte oft nicht einfach zu verstehen seien, habe der BVMed bereits 1997 den „Kodex Medizinprodukte“ mit praktischen Handlungsempfehlungen erarbeitet. Der Kodex ist auf dem Stand 2016.
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