21.08.2013

Depression: Hirn-Scan könnte Behandlungserfolg vorhersagen

Berlin – Eine nuklearmedizinische Untersuchung könnte Psychiatern künftig helfen, die richtige Entscheidung zur Behandlung einer schweren Depression zu treffen. Die Untersuchung könnte nach Ansicht des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner (BDN) die Behandlung von Menschen mit Depressionen verbessern und das Verständnis der Erkrankung verändern.

In den vergangenen Jahren seien Anstrengungen unternommen worden, um anhand von Symptomen, Labortests oder der Bestimmung der Hirnströme den Therapieerfolg vorherzusagen, berichtet Prof. Dr. Detlef Moka, Vorsitzender des BDN. Ein geeigneter Biomarker sei bisher jedoch nicht gefunden worden. Mediziner der Emory Universität in Atlanta/Georgia scheinen jetzt mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung mehr Erfolg gehabt zu haben. Die Forscher nutzen die Möglichkeiten der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die den Glukoseverbrauch und damit die Aktivität in den einzelnen Hirnregionen misst. Den Patienten werden dabei schwach radioaktiv markierte Zuckermoleküle in die Vene gespritzt, deren Verteilung im Gehirn ein PET-Scanner erfasst. Das US-Forscherteam um Helen Mayberg analysierte nun die Aktivität in der sogenannten Inselrinde oder Insellappen – einer Hirnregion, die über dem Ohr liegt. „Die Insula gehört zu den Schaltstellen des Gehirns, die das Gefühlsleben beeinflussen, und der vordere Abschnitt wurde schon länger mit der schweren Depression in Verbindung gebracht“, erläutert Moka. Ergebnis der US-Studie: Ein verminderter Glukoseverbrauch in der Insula im Vergleich zum restlichen Großhirn ist mit guten Behandlungschancen einer kognitiven Verhaltenstherapie verbunden. Patienten mit einem gesteigerten Glukoseverbrauch in der Insula sprechen dagegen eher auf eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva an. Die Studie, die kürzlich im Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ veröffentlich wurde, war mit 67 Teilnehmern relativ klein. Sollten sich die Ergebnisse aber in weiteren Studien bestätigen, wären sie von großer Bedeutung nicht nur für die Therapie, sondern auch für das Verständnis der Depression, befindet der BND. „Depressionen sind in Deutschland fast zu einer Volkskrankheit geworden. Die Verzögerungen, die sich aus der langwierigen Suche nach einer effektiven Therapie ergeben können, sind sehr belastend für die Betroffenen und zudem ein Kostenfaktor“, sagt Moka. Die gegensätzliche Aktivierung der Insula könnte nach Ansicht des Experten auch darauf hinweisen, dass es zwei Varianten der schweren Depression gibt, die unterschiedlich behandelt werden müssen und denen möglicherweise auch verschiedene Ursachen zugrunde liegen.
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