23.11.2015

Defizite bei chronischer Wundversorgung

Berlin – Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) fordert eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden. Die Behandlung entspreche oft nicht dem aktuellen Stand medizinischer und pflegerischer Leitlinien. Hauptproblem sind nach einer Studie des Departments für Pflegewissenschaft der Universität Witten-Herdecke Wundschmerzen.

Defizite bei chronischer WundversorgungDer Analyse zufolge bezeichnete jeder vierte Betroffene seine Schmerzen als unangenehm, fast jeder Dritte als belastend, für 13 Prozent der Befragten waren sie sogar „fürchterlich“. Nur rund sechs Prozent gaben an, schmerzfrei zu sein. Für die Untersuchung wurden Daten von 146 Menschen mit chronischen Wunden erhoben, die von ambulanten Pflegediensten zu Hause versorgt wurden. Die Studie des Departments für Pflegewissenschaft hat auch die Fähigkeit der Betroffenen untersucht, ihre Wunden so weit es geht selbst zu versorgen. Dieses sogenannte Selbstmanagement erwies sich dann als gut, wenn den Patienten von den versorgenden Wundexperten ein angemessenes krankheitsspezifisches Wissen vermittelt worden war. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die ambulante Langzeitbetreuung von Menschen mit chronischen Wunden den Pflegenden ermöglicht, Defiziten der Betroffenen im Umgang mit ihren Wunden entgegenzuwirken. Dadurch könne die Lebensqualität der Menschen mit chronischen Wunden verbessert werden, heißt es. Für BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt zeigt die Untersuchung, wie wichtig die adäquate Behandlung chronischer Wunden ist. Nach Ansicht des BVMed entsprechen die derzeit vorhandenen Versorgungsstrukturen jedoch oft nicht dem aktuellen Stand medizinischer Forschung. Außerdem zögen sich viele Praxen aus der Wundbehandlung zurück, weil die aktuellen Vergütungen den nötigen Behandlungsaufwand nicht deckten. „Um Behandlungsengpässe in Zukunft zu vermeiden, müssen sich die Versorgungsstrukturen deutlich verbessern“, warnt Schmitt. Dem BVMed zufolge wären Versorgungsnetzwerke ein wesentlicher Schritt, um die Behandlung von Menschen mit chronischen Wunden voranzubringen.
Zwischen ein und zwei Millionen Menschen leiden nach Schätzungen in Deutschland unter einer chronischen Wunde. Die Behandlung dauert oft mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. Sie erfordert häufige Arzt- und Pflegebesuche und beeinträchtigt das Leben der Betroffenen meistens massiv.
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